Donnerstag, 20. Dezember 2018

Kennst du das Gefühl
wenn etwas schön sortiert ist
es so wunderbar ordentlich anzusehen ist
so gut sortiert
ohne Verwirrungen
nichts tanzt aus der Reihe
es zu betrachten ist
als ob auch die inneren Spinnfäden
plötzlich schnurgerade verliefen
das ist lichtelschön

Ich glaube
dass das Licht der Welt
Ordnung ist
Beruhigung

eine ganz gerade Linie

Gerade darum
ergötzt es
dich
inmitten

von Verwirrnis 



Samstag, 15. Dezember 2018

Über das Einander-Annehmen.
Mit einem Hauch Weihnachtsgeschichte.
Predigt zum 3. Advent


... mit dem Lied: Wie soll ich dich empfangen (EG 11, Strophe 1)

Predigt:
Die Schritte waren an diesem Abend wirklich schwer. Sie hob den Fuß, aber er schlurfte im Aufsetzen. Sie war wahnsinnig müde. Das, was sie hinter sich hatte, dieser Weg, in diesem Zustand, das war kaum menschenmöglich. Kaum auszuhalten. Sie gähnte immerzu. Rieb sich die Augen. Die brannten sehr. Hier kannte sie niemanden. Alles war ihr fremd. Auch wie die Leute sprachen. Gut, dass sie wenigstens nicht alleine war. Sie rückte ihr Kopftuch zurecht. Die Leute hier kleideten sich etwas anders, das sah sie gleich. Die Leute guckten ihnen hinterher. Man sah ihre Gedanken. „Was wollen die denn hier?“ Ob sie für diese Nacht eine Herberge finden würden? Sie hielt sich den schmerzenden Rücken. Eigentlich dachte sie bei jedem Schritt, dass es nicht mehr weiter ginge. Und doch ging es dann immer noch einen Schritt weiter. So war es seit Tagen. Was sie nur hier sollte in dieser kleinen Stadt? Sie seufzte. Langsam gingen sie auf das Licht einer Laterne zu. Ein großes Tor. 
Wenn doch hier jemand Nettes wohnen würde. Das wäre ein Geschenk. Sie hob die Hand in Richtung Tür. 

Lied: Strophe 2

Sie war müde vom Geschäft des Tages. Den ganzen Tag hatte sie geschuftet. Da war wieder was los gewesen! Und die Bude war voll wie immer. Und nebenbei die Familie, die Kinder. Essen kochen und die Wäsche. Sie freute sich auf die ruhige Stunde, wenn sie die Tür zuschloss und die Kinder schliefen und endlich Ruhe einkehrte, sie den Rücken straffen konnte und durchatmen. Sortieren, was alles los gewesen war am Tag. Und schon einmal überlegen, wie sie den nächsten Tag meistern würde. Mit ihrem Mann räumte sie das Geschirr weg. Putzte die Tische. Fegte noch die Küche. Versonnen stand sie am Fenster. Es würde eine kühle Nacht werden. Ihr Ofen wärmte gut. Die Lichter in der Straße funkelten zwischen den im Wind schwankenden Bäumen. Der Mond war heute nicht zu sehen. Ungemütlich war es draußen. Gut, dass alles für heute vollbracht war.

Lied: Strophe 3

Die eine Frau klopfte ans Tor. Die andere schaute überrascht, wer zu so später Stunde noch zu ihr wollte. Etwas stöhnend stieg die andere die Treppe hinab, schloss die alte Tür auf und machte Licht. Draußen standen welche. Vorne stand diese Frau. Sie hatte dunkle Haare und große dunkle sehr müde Augen. Auf dem Haar trug sie ein Tuch. Fröstelnd hielt sie den langen Mantel fest. Das waren welche, die eine Herberge brauchten. Das sah die andere Frau sofort. Und obwohl sie selber sehr müde war, sah sie mit einem Blick, dass die andere sie jetzt brauchte. Dass sie jetzt einen warmen Raum bräuchte und einen Platz zum Schlafen. Sie sah erschöpft aus. Viel weiter würde sie es nicht schaffen. Sie nickte die Frau an und ging die Schlüssel holen. 

Lied: Strophe 4+5

Eine Frau mit einem Tuch auf dem Kopf. Erschöpft nach einem langen Weg. Die stand vor … - mir. Es ist meine eigene Geschichte. Unsere Geschichte - von mir und Hwaida. Eine Geschichte biblischen Ausmaßes, so fühlte es sich an. 2015. Unsere Gemeinde hatte beschlossen, Räume für Flüchtlinge zu Verfügung zu stellen. Keiner von uns hatte eine Ahnung, wer das sein sollte: „Die“ Flüchtlinge. Gemeinsam mit dem Landkreis wurden Betten aufgestellt, Waschmaschinen gekauft. Lampen besorgt. Es wurde ernst. Niemand konnte  uns sagen, wann da welche kommen würden. Wieviele. Woher. Spät abends klingelte es. Als ich zur Tür ging, sah ich dunkle Gestalten, die sich schüchtern hinter dem Torbogen scharten. Eine energische Übersetzerin ging zielstrebig auf mich zu. Sie stellte mir die kleine syrische Familie vor, die nach und nach aus dem Dunkel ins Licht trat. Die Mutter Hwaida, 42 Jahre alt. Den Sohn Bahar, 22. Die Tochter Nour, 15, die aussah wie eine kleine zarte elfenartige Maria mit ihre dunklen Augen und dem Tuch auf dem Haar. Und die beiden Kleinen, Mohammed und Salaheddin, kleine Schulknaben. Ich begrüßte Hwaida. Vom ersten Moment an waren wir uns nah. Ich bin Bettina und auch 42 Jahre alt, sagte ich. Willkommen. Sie nickte. Ich bin auch Mutter. Sagte ich. Ich habe fünf, meinte sie und zeigte mit den Fingern. Ich auch, antwortete ich. Sie fiel mir um den Hals, Tränen in den Augen. Einige Monate lang sollten wir ab diesem Abend Tür an Tür leben. Ihr Mann Aboud stieß einige Tage später noch hinzu. Der älteste Sohn Diaa kam zu Besuch. Sie hatten sich auf der Flucht verloren, auf der Flucht, auf der auch die Kinder  innerlich um Jahre gealtert waren. Wir versuchten, zusammen mit anderen Freunden, einen  minimalen Hausstand aufzubauen. Lebensmittel zu finden, die ihr vertraut waren. Zeigten ihr unseren Heimatort. Meldeten die Kinder in der Schule an. Übten deutsch sprechen. Der Natürlichste und Direkteste unter uns war mein kleiner Sohn Jakob, damals 5 Jahre alt. Er spielte und lachte mit seinen neuen Kumpels, er aß Reis mit Fleisch und Fladenbrot.  Er trank sogar lächelnd den schwarzen Tee mit viel Zucker. Bis heute haben wir miteinander Kontakt. Wir sind Freunde geworden.

Lied: Strophe 6

„Denn was geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre.“ (Römerbrief, Kapitel 15)

Einander annehmen kann man lernen. Einander annehmen kann man einfach anfangen. Einander annehmen hat mit Hören zu tun, mit sich-hinein-versetzen, mit einem barmherzigen Blick, mit Unvoreingenommenheit, mit Güte, mit Geduld, mit Neuanfängen, mit Scheitern, mit es-immer-wieder-neu versuchen, mit Vertrauen, mit gemeinsamen Essen, mit Wahrhaftigkeit, mit Liebe, mit Streit, mit sich-aussetzen, mit aushalten, mit Spaß, mit der Erkenntnis, dass es keinen anderen Weg gibt, keinen anderen, um weiter zu leben als Menschen, hier. 
Zum Frieden gibt es keinen anderen Weg, als dass der Weg schon Frieden ist.  Das meinte Jesus, als er sagt, ER sei der Weg. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe. Amen.



Montag, 10. Dezember 2018

Weihnachtsaugen

Sie hatte dringend um einen Besuch der Seelsorgerin geben und so komme ich zu später Stunde noch in das Krankenzimmer in der Klinik. In den Betten des Zimmers liegen zwei ältere Damen in ihren Rüschennachthemden. Von ihren Ängsten erzählt die fromme ältere Dame aus gutem Hause. Eine halbe Stunde lang erzählt sie ihre beeindruckende Biografie. Sie braucht meine ganze Aufmerksamkeit. Als sie kurz verschwinden muss, lächelt mich aus dem Bett daneben eine stille aber sehr fidele 90jährige an. Sie sagt nur wenig. Etwas über ihre Heimat, das Sudetenland. Und wie sie alle ihre Männer davon gejagt hätte und alleine die Kinder groß gezogen und die Familie durchgebracht hätte als Hilfsarbeiterin. Die besorgte Dame kommt wieder. Eine Weile erzählt sie noch. Dann beenden wir das Gespräch und ich biete an, wieder zu kommen. Zum Abschied singe ich ein Abendlied und wir beten für die beiden und die Menschen im nächtlichen Krankenhaus. Das Vaterunser sprechen wir und einen Segen. Ich gebe der Dame die Hand. Mit vielen Wünschen und Ermutigungen verabschiede ich mich. Voller Sehnsucht nimmt sie jedes gute Wort. Auch zur kleinen Frau nebenan gehe ich noch. Nehme ihre kleine Hand, wünsche eine gute Nacht. Als ich die Hand zurück ziehen will, hält sie sie fest. Mit tiefer Stimme sagt sie: „Und. Vor. Allem. Frohe Weihnachten!“ Ihre braunen Augen halten mich fest. So viel Wärme liegt in ihrer Stimme und in den Augen. Sie meint es so. Es fühlt sich an, als wäre das Weihnachten tief in ihr. Man könnte es mit der Hand berühren. Einen langen Moment sehe ich in ihre Weihnachtsaugen, dann drücken wir still uns die Hände. Wenn das die besorgte Dame wüsste, dass da Weihnachten mit Hoffnung bis obenan neben ihr im Zimmer liegt…  



Samstag, 8. Dezember 2018

Predigt zum 2. Advent

Vom Heimkommen

Bis du schon mal zurück gekehrt nach Hause und warst ganz und gar erschöpft, platt, müde? Wenn man aus dem Krankenhaus heimkehrt zum Beispiel, noch lange nicht richtig gesund; von einem superlangen Schultag oder Arbeitstag, ausgelaugt; von einer langen Reise, erholt aber müde; von einer Feier spät abends, erfüllt, aber übernächtigt; von einer traurigen Sache, betrübt und nicht ganz man selbst; von irgendwo her - sehr geknickt, fremd, sehnsüchtig….??
Und dann wollen die Füße und das Herz nicht Runden laufen am See und nicht sitzen an fremden Tischen, sondern Füße und Herz wollen: nach Hause. 
Die letzten Schritte, das da Draußen hinter sich lassen, die Klinke fassen, den Schlüssel drehen, die Tür öffnen:
Der Geruch. Der Geruch von zu Hause.
Die Wärme.
Alles an seinem Platz wie immer.
Das Gewohnte.
Das Vertraute.
Das selbst Geschaffene.
Das Eigene.
Deins.
Dein zu Hause.
Dein Flur.
Deine knarrende Treppe.
Dein Sessel, dein Sofa.
Dein Ofen.
Dein Küchentisch.
Dein Bett.
Deine Kratzer im Holz.
Deine Sachen an ihren Plätzen.
Deine Lieben.
Dein Lebensplatz.
So ist Heimkommen.
Herberge. Schutz. Beruhigend. Friedlich. Geborgen.


Wenn man vom Einkaufen kommt, dann ist das Heimkommen nicht sehr spektakulär. Auch nicht, wenn man mal übers Wochenende verreist - obwohl… so manche seufzt schon da, wenn sie den Kirchturm endlich wieder sieht und das eigene Haus. 
Wenn man aber viele Tage unterwegs war, dann gibt es schon eine kitzelnde Freude. Sie steigt, je mehr und mehr man nicht dort sein konnten. 
Nach 40 Jahren haben zum Beispiel manche ihr Queienfeld erst wieder betreten, das Elternhaus, die Kirche, das zu Hause ihrer Kindheit oder Jugend. Tränen in den Augen.
Manche kommen nie wieder heim in ihrem Leben.
Da, wo es unfreiwillig war, steckt diese tiefe Sehnsucht für immer und immer im Herz und den Füßen.
Und hin und wieder wird manchen ihr zu Hause fremd, weil dort Streit herrscht oder Unglück. Aber gerade dort ist die Sehnsucht kaum größer zu finden: heim zu kommen.


Heimkommen ist,
wie das Schiff in den Hafen bringen,
den Vogel ins Nest,
das Herz an den rechten Fleck,
die fehlende Note in die beste Melodie,
wie die Zutat, die den Kuchen süß macht
oder das Brot kräftig.
Heimkommen ist wie seufzen, 
denn nun gerade hat das Laufen ein Ende.
Zumindest in diesem Ankommen.
In dieser Ewigkeit des Momentes.


Vor sehr langer Zeit waren einmal Menschen 
weit weg geführt worden von ihrer  Heimat.
Und so lange sie auch fern waren, so lange waren sie ganz fest überzeugt, dass sie wieder heimkommen würden.
Das sagten die Eltern den Kindern und die sagten es ihren Kindern, sie gaben die Sehnsucht weiter wie das wertvollste Erbstück. Und obgleich sie auch dort in der Ferne Häuser bauen konnten und ankommen, riefen Herz und Füße nach dem Land ihrer Väter und Mütter, träumten sie vom Heimkommen.

Da stand einer auf, ein Prophet, der sagte ihnen:

„Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.« Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen. Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.“ (Jesaja 35, 3-10)

Eines Tages dann war es so weit. 
Die Menschen konnten heim gehen. Tränen in den Augen.


Heimkommen kannst du auch 
in eine tiefe Gewissheit.
In einen tiefen inneren Frieden, 
der dir Flügel gibt, 
wenn du im Leben lahmst,
der dir Anker gibt,
wenn es dich ganz und gar umwerfen will.

Darum sage ich dir, wie damals der Prophet: 
Stärke das müde Herz und die wankenden Füße,
sag der Seele wenn sie verzagt:
Du musst keine Angst haben vor dem was kommt.
Sieh doch, Gott ist doch da.
Er selbst.
Ein wenig kannst du ihn schon spüren.
Er kommt nämlich auch heim.
Er kommt nach Hause,
wenn er in dir sein darf.
In seinem und deinem Eigenen.
Und wenn du welche triffst, 
die Sehnsucht haben 
die heim wollen,
dann brauchen sie einmal dich,
dass du sagst:
 „ Stärke dein müdes Herz… Keine Angst.
Es wird für dich einen Weg geben.“

Und dieses Heimfinden
damals vor vielen Zeiten.
Dieses Heimfinden
von dir und mir,
von denen
die wir bestärken können,
das Heimfinden
im Glauben
an den der zuinnerst ist,
das wäre dann
Erlösung. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, der halte unsern Versand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe. Amen.




Der alte Friedl ist krank. „Zwei Dinge sind es, die ich vermisse, Frau Pfarrer.“, sagt er im Krankenhaus zu mir. „Meine Kirche. Und mein Kanapee. Wissen Sie ich hab schon viele Kirchen gesehen. Aber das ist nicht das Gleiche. In meine Kirche komme ich seit 92 Jahren. Und als wir so lange im Sperrgebiet lagen, da war das ein Ort der Zuflucht für mich. Mein Lieblingslied war damals immer „Ein feste Burg ist unser Gott". Und wenn ich dort bin, in unserer Kirche, dann fühle ich mich irgendwie so geborgen. Verstehen sie? Und sonst brauche ich doch nichts. Ich war neulich im Pflegeheim. Das war nix. Das hat mich fast kaputt gemacht. Ich hab nur Sehnsucht nach meinem kleinen Häuschen und meinem Kanapee.“
Und das Licht der Welt kam an diesem Tag zu Friedl, indem jemand seine alte kalte Hand hielt und ihm half, sein Gebiss einzusetzen, das Kissen aufschüttelte und den Sauerstoffschlauch zurechtrückte. Und er seufzte bei den zarten Berührungen und lächelte. „´s wird scho wieder.“, sagte er, mit wenig Luft. „Sie wissen ja! Der Herrgott…“. Dann nickte er lange. Und ich drückte seine Hand.


Heute ist das Licht der Welt zu Welt gekommen 
und wieder gegangen. Geburtsstation. Drei Zimmer mit strahlenden Eltern. Stillende Mütter. Winzige schlafende Luisen und Heinrichs, geboren in der letzten Nacht. Und dann Zimmer vier. Carola. Weinend. Ich sitze lange an ihrem Bett. Die Hebamme öffnet die Tür und bringt ihre Tochter Tira. 95g. Sie liegt in einem kleinen wunderschön genähten karierten Stoffkörbchen mit weißer Spitzenborte. Wie ein kleiner Mose. Tira ist hinüber gesegelt. Hier, im Binsenkörbchen, auf Mamas Arm, ist nur noch ihr kleiner Leib. Auf der anderen Seite steht einer und nimmt sie gerade in seine großen Hände. Das weiß Carola noch nicht. Sie sieht Tira. Sie spricht mit ihr. Sie streichelt sie. Sie wiegte sie. All das, was sie getan hätte, wenn sie in vier Monaten zur Welt gekommen wäre. Das Licht der Welt hat sich heute verborgen. Oder war es da in unseren Händen? Oder in unserem Segen? Irgendwo jedenfalls, wo unsere Augen es nicht sahen. 
„Die Reisende“ heißt Tira auf Maori. 
Vielleicht, Tira, war das Licht in dir. Und es reist. 


Irgendwas geschah im Dunkeln. Es war kaum zu sehen. 
Erst bei Lichte nahm es Form an. Sie haben nichts gesagt. 
Nur gekichert. Und die Schultern hochgezogen. 
Die Mütter der kleinen Schulkinder 
haben in ihren Bewegungen inne gehalten 
und sich nochmal verdutzt umgedreht. 
"Wie kann das sein?" 
Der Busfahrer lehnte sich weit über sein Lenkrad nach vorne. 

Wundern. 
So wars gedacht. 
Advent subversiv.

... passt auf Eure Liebe auf...

  Predigt am 19. Juli in Stendal Predigttext Hebräerbrief 13, 1-3: Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben.  Vergesst ...