Samstag, 20. Juni 2026

Vom Loswerden und Gewinnen

Predigt im Kloster Petersberg

Ich stelle mir vor, wie er sucht. 

Wie Jesus suchend umher geht, hier zwischen uns.

Vielleicht fängt er da ganz hinten an.

Schreitet von einem zur anderen.

So durch die Reihen. Suchend. Schauend.

Sieht Dich. Mich. Und Dich auch.

Der Menschensohn ist gekommen, 

zu suchen…

Er sucht Dich auf, wo Du gerade bist.

Er stöbert Dich auf, egal wie fern Du sein magst.

Er nimmt Dich in den Blick, wie wenig Du es auch erwartest.

Suchend. Keine, Keinen vergessend.

Ich lasse Dich nicht!

Der Menschensohn ist gekommen, 

zu suchen… was verloren ist.

Kein Verlorensein, in das er nicht kommen könnte.

Keine Ferne, die er nicht auflösen könnte.

"Der Menschensohn ist gekommen, 

zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." Lukas 19,10 

Wochenspruch, der Dich jetzt eine Woche begleiten darf. 

Ein Retterwort. Einer sucht Dich. Nur um Dich selig zu machen. 

Selbst wenn Du verloren bist. Wenn Du lost bist.

Ich stell mir vor, wie Jesus dann all das nimmt,

was ferne ist, schwer, unlösbar, unerträglich, ungerecht.

Die Ungerechtigkeit der Welt. 

Diese ganzen großen Dinge…

Gewalt und Krieg.

Tod und Krankheit.

Rechtsextremismus und Rassismus,

Hassgerede und Diskriminierung.

Ungerechtigkeit und Armut.

Naturverschmutzung und Raubbau,

Mobbing und Neid.

Er wirft es weg.

Er wirft es ins Meer.

In die Tiefen des Meeres.

Und dann…

ploppt es wieder hoch.

Ja, so erlebe ich es.

Ich möchte all das am liebsten so weit weg wissen wie möglich, 

weil ich an manchen Tagen darunter kaum atmen kann. 

Ich kann es nicht mehr hören und sehen.

Eng schnürt sich manchmal das Leben an mich,

dass ich all das sehr dringlich abschütteln möchte.

Weit weg werfen. Mit den Füßen zertreten und ins Meer versinken lassen, 

wo es niemand mehr herausholen kann. 

Ob Gott das kann?


Hört den Predigttext aus dem Michabuch:(einige Verse aus Kap 7 in Auswahl)

Ach, schreibt der Prophet, Ach!

Es ist mir ergangen wie beim Obstsammeln,

wie bei der Nachlese zur Weinernte:

Keine einzige Traube ist mehr da zum Essen!

Wenigstens eine Frühfeige hätte ich mir gewünscht!


Nichts mehr zu finden in der Welt, 

meint er, das gerecht und gut ist

und zählt Beispiele auf, wie er seine Zeit erlebt: 


Der Fromme ist aus dem Land verschwunden.

Kein Gerechter ist mehr da unter den Menschen.

Alle liegen im Hinterhalt, um Blut zu vergießen.

Jeder jagt seinen Nächsten mit dem Netz.

Böses zu tun mit eigenen Händen, das können sie gut.

Beamte fordern Geschenke und Richter nehmen Geld.

Mächtige lassen sich von ihrer Habgier treiben.

So stellen sie alles auf den Kopf:

Der Beste unter ihnen ist wie ein Dorngestrüpp,

der Gerechteste schlimmer als eine Dornenhecke.


Ich halte Ausschau nach dem Herrn!!!

Auch wenn ich gefallen bin, stehe ich wieder auf.

Sitze ich im Dunkeln, ist der Herr mein Licht.


Wo ist ein Gott wie Du

der Schuld vergibt und Fehler nicht anrechnet?

Tut er es nicht für den Rest seines Eigentums?

Ja, er hält nicht für immer fest an seinem Zorn.

Denn die Güte liegt ihm mehr am Herzen.

Er wird wieder Erbarmen mit uns haben:

Er wird unsere Schuld zertreten

und alle unsere Vergehen tief im Meer versenken.


Ja, du wirst Jakob die Treue halten

und Abraham mit Güte begegnen.

So hast du es unseren Vorfahren geschworen,

und zwar von Anfang an.


Das klingt als hätte es jemand 2026 geschrieben.

Aus einer Welt, die wir uns selbst schlecht schreiben.

Die manche mit Bilder des Untergangs etikettieren.

Und er klingt wie einer, der die Dinge beim Namen nennt, die uns umtreiben. 

Wo ist das Gute? 

Und Schuldsuche gehört zu den beliebtesten Bildern dieser Zeit. 

Auch zu den missbrauchtesten.


Da ist er doch aber, dieser Gott, oder?

Sagt das nicht der Prophet?

Er wird unsere Schuld zertreten

und alle unsere Vergehen tief im Meer versenken.


Warum gelingt es mir da nicht?

Immer ploppt alles wieder hoch,

kein Zauberglaube, der die Dinge verschwinden lässt.


Ich sehe mich die Nachrichten lesen,

von jubelnden Menschen im EU Parlament

Schmeißt sie alle raus jubeln sie

und ich gehe im Geist die Gesichter lieber Menschen durch, 

wen könnte es alles treffen!?

Wie ein Gift sprühen Sie ihre Gedanken in diesen Sommer, 

Lügen und Freude an der Angst ihres Gegenüber.

Sie präsentieren das als den Geist der Zeit, den sie sich wünschen. 

Ein Geist, der sich offensichtlich abgrenzen muss, 

der seine Privilegien sichern muss, 

der Linien zieht zwischen denen, die dazugehören. 

Und ich suche in meinem Dazwischenleben wieder die Leichtigkeit, 

die mein Leben braucht, um das alles auszuhalten, um dem die Stirn zu bieten, 

um nicht zu verzagen.


Und: Ich halte Ausschau nach dem Herrn!

Ich werde nach ihm befragt. 

Menschen nehmen sich seine Worte, 

Worte der Bibel und verdrehen sie in Hass und Abgrenzung. 

Sie legen das Wort der Liebe auf ihren Stolz und ihre Exklusivität..


Wo ist ein Gott wie Du,

der Schuld vergibt und Fehler nicht anrechnet?

Er wird unsere Schuld zertreten

und alle unsere Vergehen tief im Meer versenken.


Nein, die großen Themen dieser Welt, die schweren WeltenSorgenpakte, 

die werde ich wohl nicht in das Meer der Lösung werfen können. 

Sie werden wieder hochploppen.

Denn bei Gott geht es um ein Du!

Um einen Gott, der Dir vergibt.

Es geht um Dich, individuell, was Du trägst, 

wo Du Teil daran bist, dass kein Gutes zu ernten wäre.


Wo ist ein Gott wie Du,

der Schuld vergibt und Fehler nicht anrechnet?

Tut er es nicht für den Rest seines Eigentums?


„Gottes Rest“, schreibt die Bibel.

Sie rechnet mit Verlusten.

Du bist vielleicht dieser Rest. Und ich bin es.

Gemeinsam sind wir der Rest.

Ein heiliger und manchmal unheiliger Rest, 

der nach Gott Ausschau hält am Meeresrand. 


Denn: 

er hält nicht für immer fest an seinem Zorn.

Denn die Güte liegt ihm mehr am Herzen.

Er wird wieder Erbarmen mit uns haben:

Er wird unsere Schuld zertreten

und alle unsere Vergehen tief im Meer versenken.


Nicht die WeltPakete. 

Sondern: Deines. Meines. Einzeln.

Als würdest Du in Deinen Taschen kramen

was Du dort mit Dir ermüdend herumträgst:

Deinen Kleinmut

Deine Ungewissheiten

Dein vermeintliches Nichtgenügen

Deine Zweifel ob Gott ist

Deine Unperfektheit, 

Deine gefühlte Kleinheit.

Die müden Augen, 

die das Gute nicht mehr sehen können.

Diese Krümel:

Nimm sie aus Deinen Taschen,

popele sie aus der letzten Falte.


Dann halte Deine Hand 

gerade über Gottes Güte

und öffne sie

und wirf … 


…wie Du vielleicht als Kind Steine ins Wasser warfst,

die nie wieder nach oben kamen.





Dies, sagt Gott, kannst Du in das Meer meiner Liebe und Güte abgeben. 

Es nimmt keine großen Weltpakete,

aber Deins. Von Dir gegeben, gib hin und lass.

Dies ist meine Güte. Sie kommt von Herzen.

Damit die Schwere der Welt nicht auch Dich schwer macht. 

Damit Du leichter sein kannst. Seliger.

So! gehe ich diese Weltpakete an.

Einzeln. In dir. In der und dem neben dir.  

Wir werden es nachher feiern mit Brot und Wein.

Nimm hin, sagt das Wort:

nimm statt Deiner Krümel im Meer

oder den Steinen aus deinen Taschen,

nimm das Brot, sei mit Leib dessen, der Dich umfasst und nicht lässt, 

der kleidet, zu essen gibt, besucht, beherbergt, nicht hasst, sondern liebt. 

Seine Kraft erfülle Dich. Dass Du lassen kannst. Für eine Leichtigkeit, 

die mehr ist als oberflächliche Fröhlichkeit, sondern tiefes Befreitsein zum Guten.

Dass Du, Mensch, hinaus gehen kannst 

mit Gottes Wort im Herzen

und dem Wissen, was Dir gesagt ist, was gut ist, nämlich:

Klare Worte sprechen.

Solidarisch sein.

Helfen, die Angst zu verjagen.

Mitmensch sein.

Jemand festhalten.

Demütig sein.

Liebe üben. 

Mit sich selbst und anderen konsequent gütig sein.


Denn die Güte liegt Gott am Herzen.


Ja, du, Gott, wirst uns die Treue halten

und uns mit Güte begegnen.

So hast du es unseren Vorfahren geschworen,

und zwar: von Anfang an.


Schlusswort eines Prophetenbuches. 

Ausrufezeichen in wilden Zeiten.

Mindset für 2026.


Gottes Güte hat von Anfang an das letzte Wort. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, 

der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß 


und stärke unsre Liebe. Amen.

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