Predigt zum 30 Jährigen Jubiläum des Evangelischen Zentrums Kloster Drübeck
am 27. Juni 2026
Predigt zu Psalm 121
(Eingang gelesen von zwei Stimmen)
1. Treffen sich zwei Pilger. Vielleicht bricht eine gerade auf.
2. Vielleicht kommt einer gerade an.
1. Vielleicht ist eine im tiefsten Tal.
2. Vielleicht ist einer über den Berg.
1. Vielleicht treffen sie sich an einer Kreuzung,
2. vielleicht an einem Tor.
1. Vielleicht droht einer zu straucheln oder einzuknicken.
2. Vielleicht findet eine die richtigen Worte. Vielleicht so:
1. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
2. Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
1. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.
2. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
1.Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
2. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!
(die beiden Personen verneigen sich abschließend voreinander)
Ein Wallfahrtspsalm für Menschen auf dem Weg.
Ein Psalm für Menschen auf der DurchReise in ihrem Leben.
Ein Psalm für einen DurchReiseOrt.
Hier, wo Menschen anhalten. Äußerlich und innerlich.
Hier, wo Menschen in vielen Formaten auf ihre Lebensreise schauen,
Gott als Reispartner kennenlernen oder lernen,
andere Menschen mit auf eine Reise mit Gott zu nehmen
oder sich für Momente in der Gegenwart Gottes wiederfinden,
bevor sie weiterziehen.
Hier, wo vieles begonnen und aufgebaut wurde und beendet und abgerissen.
Wo Menschen Spuren hinterlassen haben. Und Gott.
Es ist genau der richtige Ort, um diesen Psalm zu hören.
Hörst Du ihn?
K liest Psalm aus der Bank (nicht zu laut)
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!
Er sagt Dir:
Hier bist Du richtig, Pilger, Pilgerin.
Der und die du Deine Augen aufgehoben hast.
Du bist Deinen Weg nicht umsonst gegangen.
Heute nicht und auch in Deinem Leben nicht.
Und vor allem warst du nicht alleine.
Psalm 121 ist einer für ein „Du“, ein Gegenüber-„Du“.
Wie wenn Du Rat suchst vor den Bergen
und eine andere diese Worte für Dich hat,
die sie einmal auch selbst empfangen hat.
Worte, die für Dein Weiter und Dennoch Segen aussprechen,
Behütung, und zu-Mut-ungen.
Reiseworte, die selbst schon lange durch die Zeit gereist sind.
Worte, die wie ein Schatten schirmen.
Worte, die Dich dabei nur um eines bitten:
Die Augen zu heben.
Das ist Deines.
Den Kopf, das Kinn, die Stirn heben,
die Augen aufblicken lassen. WO, Gott: bist du?
Das „Wo bist du“ geht in Richtung hin auf die Berge.
Welche Berge? Sorgenberge, Hassberge, Unsicherheit,
Unabgearbeitetes, Unverdautes – solche Berge,
könnte man meinen, häufen sich gerade vor uns auf
und wenn Dir das hilft, dann bleibt bei diesem Bild.
Aber ich finde, das wird den Bergen nicht gerecht.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen - die Berge, denke ich,
sind doch das Leben. Die Tage und Stunden,
hinter die ich noch nicht schauen kann.
Die ein Auf und Ab haben werden, Horizonte
werden mal zu sehen sein und mal nicht.
Die Berge sind die besten Biotope des Lebens.
Voller Pflanzen und Tiere, erst große
und dann je kleiner je weiter oben.
Berge sind mühsam und manchmal lustvoll mühsam zu begehen.
Berge sind kein Ponyhof.
Sie haben Aussichten, Abwärtswege, Sorgenfelsen,
wilde Passagen, Flüsse wo man kämpfen muss.
Sie haben aber außerdem: vollen Atem, Wege,
Aussichten und Möglichkeiten.
In Deinem Bergleben, sagt der Psalmbeter,
gibt es einen nicht schlafenden Gott, der auch nicht müde wird.
Der nicht müde wird zu handeln,
einen wirkmächtigen Schöpfer, der nicht aufhört zu schöpfen.
Denn wir können erschöpfen und ermüden,
wir können nicht ohne Unterlass laufen und agieren,
wir brauchen Schlaf,
wir brauchen Schatten, Rast und Ruhe.
Gott tut das wegen uns extra nicht.
Er ruft Leben ins Leben ohne Pause.
Weil er es kann. Und weil er es will.
Und für Dich, verspricht der Psalm, ist dieser nimmermüde Gott
Dein Schattenspender. Das meint umfassenden Schutz,
ganz und gar, auch in Bedrohung.
Lass die Bedrohungen die zweite Geige spielen,
meint der Psalm, höre den Ton davor und darunter:
Gottes umfassenden Schutz. Schattenhände des Himmels.
Der Psalm ist ein Wallfahrtspsalm, mit Rhythmus zum gehen.
Ein Psalm für Deinen Lebensweg.
Ein Psalm voller Segen. Kein einfacher Segen,
es ist die allergrößte vorstellbare Segensmenge überhaupt.
Und ich finde, die brauchen wir in diesen Tagen,
manche vielleicht privat, manche beruflich,
manche gesundheitlich, manche seelisch und:
unser Land braucht diesen Segen. Unsere Nachbarn und Nachbarinnen.
Wir alle - als Gesellschaft gemeinsam auf dem Weg.
Dieser Riesensegen bedeutet:
Der Segen behüte dich nicht nur vor allem Bösen - das soll er!
Der Segen behüte nicht nur Dein Leben, Deine Seele. – das soll er!
Der Segen behüte nicht nur alles
- alles was aus und eingeht, Anfang bis Ende – das soll er!
Der Segen behüte Dich über die Weltzeit hinaus, in Ewigkeit!
Ein lückenloser Segen.
Und Segen heißt. Kraft und Begleitung.
Dieser Ort braucht das.
Du brauchst das.
Du und Du und Du spricht der Segen - 10 Mal!
Denn Gott kennt jedes Schöpfungsstück.
Er legt es an seinen Platz.
Er vergisst es niemals.
Aber das beste kommt noch: Pilgern ist nicht nur etwas Individuelles,
sondern trägt in sich immer auch die Begegnung und die Gemeinschaft.
Drei Pilger habe ich in dieser Woche davon erzählen hören.
Sie waren zusammen auf eine Pilgerreise gegangen,
ich bin ihnen am Ende ihrer Reise begegnet.
Nick, Suliman und Alex von den Erprobungsräumen der EKM
sind in diesem Monat 10 Tage ohne Geld
und nur mit einer Gitarre durch den Unstrut-Hainich-Kreis
in Thüringen gepilgert. Sie haben berichtet,
wie sie Tag für Tag Frühstück, Trinken,
Mittag und Abendbrot, Schatten und einen Schlafplatz suchten.
Sie gingen zu Fuß, fuhren mit Menschen, die sie mitnahmen,
über Straßen und Berge, durch Wälder und Bäche.
Und es geschah: In allen Orten taten sich ihnen Türen auf,
Menschen verpflegten sie, feierten mit ihnen bis in die Nacht,
erzählten vor allem ihre Lebensgeschichten.
Sie trafen einen Schäfer und halfen ihm beim Zäune ziehen,
sie halfen ungeplant jemanden beim Umzug.
Sie waren in zum ersten Mal in Tottleben, Großengottern,
Weberstedt, Kirchheiligen und vielen anderen Orten,
haben Konzerte bei der Feuerwehr und in der Landfleischerei gehalten.
Sie erzählten tief gerührt, wie Gott ihren Fuß nicht gleiten ließ
und Begegnungen schuf, die sie vorher nicht für möglich hielten.
Sie waren nach nur 10 Tagen als andere Menschen angekommen.
Sie baten ihre Gastgeberinnen ihnen eine Botschaft für die Welt
mit zugeben und die sagten sowas: „Habt Liebe und Mitgefühl“
oder: „Nehmt euch mehr Zeit füreinander und meckert nicht so viel.“
Am Ende der 10 Tagen gaben sie ein Konzert. Fast alle ihre spontanen Gastgeber*innen und Begegnungen kamen und es wurde ein großes Fest
mit Menschen, die sich vor 10 Tagen alle noch nicht kannten.
Was für ein Bild der Pilgerschaft,
ich möchte es hier mit hinlegen für unsere Kirche.
Ein Pilgern in der Welt zu denen, die Nächste sind und Nachbarn.
Reden, zuhören, leben teilen.
Gott wird nicht müde. Er ruft Leben ins Leben ohne
Pause. Weil er es kann. Und weil er es will. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft,
der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß
und stärke unsre Liebe. Amen.
(Bilder und Videos der Reise der drei Pilger
finden sich auf Instagram
auf den Kanälen von "erprobungrsraum.lsz" und "alexaustenmusic")
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