Samstag, 20. Juli 2019

Predigt über die Aussendung der Jünger*innen
am 21. Juli 2019


Lesung: Mt 9, 35 - 10, 10
Jesus war kein Abwartender. 
Er war keiner, der so lange dasaß, bis man zu ihm kam. 
ER kam. 
ER ging. 
Zu den Leuten. 
Durch Orte und Dörfer. 
Durch das halbe Land. 
Ging er. 
Und er macht Menschen gesund. 
Die krank waren oder voll Schmerz. 
Er predigte auch überall. 
Immer das Gleiche. 
So und nur so wird das Reich kommen, predigte er. 
Das Himmelreich sei ganz nahe. 
Wenn die Menschen so leben würden 
im Füreinander und mit Gott. 
So wie er mitten und nahe bei ihnen war. 

Und als er diese vielen Menschen sah 
und wie sehr manche litten. 
Wie sehr manche sehr verängstigt waren. 
Wie sehr manche suchten nach Sinn und Zuwendung. 
Als er all dass Weh und Suchen und Zagen sah, 
da gab ihm das einen Stich ins Herz. 
Es tat ihm leid, 
dass es so war.  

Ach, es gäbe noch so viel zu tun, 
sagte er. 
So viel. 
Sie alle bräuchten jemanden, 
der sich zu ihnen aufmacht. 
Aber ich kann das alleine niemals schaffen. 
Das geht nicht. 

Ich brauche welche, die mir dabei helfen. 
Und so benannte er sie jeden mit Namen. 
Und gab ihnen persönlich mit, 
was sie brauchten, um hilfreich zu sein. 
Petrus und Andreas, 
Jakobus und Johannes, 
Philipps und Bartholomäus, 
Thomas und Matthäus, 
Jakobus und Thaddäus, 
Simon und Judas. 
So hießen die ersten von ihnen. 
Keiner musste alleine gehen. 
Und er sandte sie als erstes nicht etwa zu den Fernen und Ausgegrenzten, den Fremden und Anderen. 
Zuerst sandte er sie zu den eigenen Leuten. 
Denen, die verloren waren mitten unter uns. 
Und er sandte sie, dass sie predigen sollten 
vom Himmel, der die Erde berührt 
und beten 
mit zärtlichen Worten 
und heilen, aufwecken und heil machen. 
Bekommen sollten sie dafür nichts. 
Sie sollte es der Liebe wegen tun. 
Nicht als Leistung. 
Und sie sollten nichts 
zwischen sich haben und den Menschen 
oder zwischen sich und der Erde 
oder zwischen sich und dem Himmel. 
Pur sollten sie kommen. 
Ungeschützt. 
Als Menschen. 

Lied: Wo Menschen… (Heft Nr. 29, 1):
Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen,
und neu beginnen,
ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, 
dass Frieden werde unter uns…

Predigt:
Das wusste Jesus: 
Wo Menschen sich vergessen,
da öffnen sie dem Himmelreich eine Tür.
Wo du Dich vergisst.
Im kurzen Moment 
einer Begegnung mit Jemandem. 
Im flüchtigen Wimpernschlag 
des Wiedererkennens  in jemand Anderem.
Wo du Deinen eigenen Weg
verlässt,
unterbrichst,
für die kleine Stichstraße 
zum Andern hinüber…
(Das könnte lediglich 
Dein langes stilles Nicken beim Zuhören sein, 
ohne es mal wieder besser zu wissen,
eben mal ganz bei Deinem Gegenüber zu sein,
das könnte nur die Sekunde länger sein
die Deinen Blick weicher macht und tiefer
bevor Du ihn wie immer abwendest,
das könnte der Augenblick sein,
den Gott braucht
um durch Dich den andern zu berühren.)
- in diesem Moment 
DA ! 
berühren sich Himmel und Erde.
Da ist plötzlich das Himmelreich nahe herbei gekommen.
Da predigen Dein Blick und Dein Nicken,
Dein bei-dem-anderen-stehen,
Dein nicht-weggehen,
Dein da-bleiben, aushalten, nachfühlen, ansehen, 
Dein Herz-öffnen,
da predigt Dein Körper und Dein wie-du-da-bist
und dass-du-da-bist.
Das redet alles von selbst
und könnte
eventuell
den Anderen, die Andere
heilen, trösten, aufwecken.

Und DAS KANN ICH EBEN NICHT ALLEINE!
sagt Jesus eines Tages.

Wenn du diesen Satz einmal von Gott hören wolltest,
weil dir aufgefallen ist, dass manches im Argen liegt in dieser Welt und du dich schon geärgert hast, weil er manch einen vergessen hat oder sogar dich schonmal.
Hier steht er:
I c h   s c h a f f e   d a s   n i c h t   a l l e i n e.

Das Reich Gottes ist kein Ein-Mann-Betrieb.
Es ist eher ein Geflecht.
Ein Organismus. 
Eine Kettenreaktion.
Ein Gewebe.
Ein Netzwerk.
Das, was die Jünger am See auswerfen sollten
und später unter den Menschen: Ein Netz.
Sich verknüpfende Stränge untereinander,
die sich gegenseitig halten,
was aushalten,
der untere Teil eines doppelten Bodens,
der auffängt, abpuffert und immer wieder einholt.
Das!
Das sind wir zusammen.
Da sind wir Himmelreich.
Ich und ihr. Alle.
Aber nicht einer alleine.

Und so steht Jesus da - direkt bei Dir.
Er sieht Dich und die anderen Menschen.
Es sieht Dich und sie.
Es jammert ihn. 
Er braucht welche, die hinsehen und dort hingehen. 
Zu Dir. Zu den anderen. 
Zu uns selbst erstmal,
die ersten Knoten des Netzwerks zu stärken.
Zu heilen, gesund werden zu lassen, heraus zu holen.

Und er schickt die ersten Jünger*innen los
ohne was.
Ohne Bücher, Butterbrotpakete, Heilsalbe, Ratgeber,
Flyer, Nelkensträuße, Werbekulis, Handschmeichler,
Dekokreuze, Engelkerzen, Schlüsselanhänger.
Sie kommen mit leeren Händen.
Nur mit sich.

Er schickt seine Himmelreichverkünder*innen los
ohne was.
Ohne Reisetasche, Auto, EC-Karte, Deutschlandcard, ohne Schuhe, 
Reservestrümpfe, Mp3Player, Deo, Hygientücher. 

Ohne alles.

(Predigerin zieht langsam Schuhe und Talar aus,
legt Talar über das Pult, stellt die Schuhe vor den Altar,
darunter trägt sie schwarze Anziehsachen und ist barfuß)
Er schickt Dich los ohne was.

So dass Du ganz Du bist.
Wenn Du dem anderen begegnest.
Ohne etwas zwischen Dir und denen
- denkt er vielleicht -
kann etwas geschehen.
 Kannst Du Dich nicht verstecken
im Moment der Begegnung.
Kannst Du Dich leichter einmal verschenken.
Für den anderen.
Kann er es annehmen. Und Du auch.
Von Mensch zu Mensch. 
So. Pur. Ohne was.
Kannst Du einfach
dem anderen Menschen ein Mensch sein
oder der Himmel.

Damit Menschen sich verschenken,
die Liebe bedenken,
und neu beginnen,ganz neu,
Damit Mensch sich verbünden, 
den Hass überwinden, 
und neubeginnen, ganz neu,

Brauche ich Dich.
Sagt Jesus. 
Ich schaffe das nicht alleine.
Ich brauche Dich 
- Du radiale*r Wanderer*in -
um zu fühlen
was der andere fühlt.
Ich brauche dich
- ermächtige auch mal handfest zuzupacken.
Ich brauche dich -
- Du Partner*in Gottes -
für die Verlorenen.
Auch für Dich,
wenn Du Dich verloren fühlst,
brauche ich welche.
Dass Dich einer sieht.

Und einer wird Dir dann vom Himmelreich erzählen
und Du ihm.
Dass es nahe herbei gekommen ist.
Vielleicht müsst ihr auch gar nichts sagen.
Denn so spürbar ist es da
in diesem Moment.
In dem was ihr sagt oder tut.
Ein Wimpernschlag lang seid ihr dem Himmel nahe,
der Dich etwas unfassbar Großes spüren lässt 
von dem Du ein Teil bist;
etwas das nicht kaputt gehen 
und nicht verloren gehen kann
und an kein Ende kommt.
Etwas voll Güte und Ernst,
voll Gewalten und Kräfte 
und voll Zärtlichkeit. 

Und so steht Jesus da - direkt bei Dir.
Er sieht Dich und die anderen Menschen.
Es sieht Dich und sie. Er schickt Dich los. Amen.


Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


Samstag, 6. Juli 2019



Predigt am 7. Juli 2019

Wie wäre mein Leben verlaufen, WENN……
- wenn ich in einer anderen Haut geboren wäre,
als Frau oder als Mann,
mit anderen Eltern,
weniger nett als meine, viele liebevoller als meine…
Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn…
ich nicht gesund zur Welt gekommen wäre,
oder in einem Slum irgendwo in Indien,
in einer Millionärsfamilie  irgendwo in einem reichen Land
oder nicht in Ost- , sondern  in Westdeutschland.
Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn….
ich mehr oder weniger Geschwister gehabt hätte,
einen völlig anderen Beruf gelernt,
wenn meine Großeltern länger gelebt,
vielleicht wichtige Menschen, nicht schon gegangen wären.
Wie wäre mein Leben verlaufen, 
wenn ich das Talent gehabt hätte, Klavier zu spielen
oder Marathon zu laufen,
wenn ich eine Villa geerbt hätte oder mein Haus wäre abgebrannt und ich hätte nocheinmal von vorne anfangen müssen, was, wenn ich nicht diese Freunde gehabt hätte,
wenn ich schwer krank geworden wäre, 
oder manche Erkrankungen nicht bekommen hätte.
Wie wäre mein Leben verlaufen,
 wenn ich nicht konfirmiert worden wäre 
oder wenn ich gläubiger und christlicher gelebt hätte,
wenn ich mir manchmal nichts vorgemacht hätte,
ehrlicher gewesen wäre, freier, ungebunden, liebevoller.
Wie wäre mein Leben verlaufen mit einem Partner oder ohne einen. Mit anderen Chancen. 
Einer anderen Nase.
Einem anderen Selbstbewusstsein.

Wie wäre mein Leben verlaufen,
denkt sich Paulus, 
wenn ich weiter mit lauter Stimme gegrölt und es besser gewusst hätte als die anderen und Jesus nicht bemerkt hätte
an meinem Lebensweg. Was wenn ich einfach so durchmarschiert wäre wie alle anderen. Leben. Essen. Schlafen. Gewinnen. Cool sein. Der/ die beste sein. Die meiste Arbeit haben. Wichtig sein. Das Leben feiern, weil das alles ist, was zählt. Man wird nicht jünger. Man bekommt nichts geschenkt. Muss ja. Muss gehen. Ist alles nur Zufall. Schicksal. 

Du hast mich echt gerettet, 
sagt Paulus.
Vor den falschen Prioritäten im Leben. 
Am meisten aber vor mir selbst.
Hast du mich gerettet.

Gott.

Ich habe das Gefühl, du bist mir regelrecht nachgelaufen.
Dabei war ich es, der sich nicht für dich interessiert hat.
Ich habe mich mehr für mich interessiert.
Ich kann es gar nicht glauben. 
Das dir an einem Menschen wie mir was liegt.
Ich bin wirklich nichts Besonderes.
Mach so vor mich hin.
Da gibt es ganz andere.
Aber ausgerechnet mich willst du.
Ganz und gar.
Selbst wenn ich völlig neben den Weg geraten bin.
Mir schwant
das es keine Zufälle gibt.
Ich ahne, dass es keinen Weg von dir weg gibt.
Ich vermute, dass ich näher bei dir 
ein besserer Mensch sein könnte.
Gelöster.
Freier.
Dankbarer.
Barmherziger.
Nicht nur mit anderen.
Auch mit mir selbst.
Und mit dir.
Und darum sage ich aus so tiefem Herzen: 

Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben.  Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.  Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. 

Und Gott.
Gott könnte sagen:
Mein liebstes Kind,
ich habe dafür gesorgt, 
dass du nicht in einer anderen Haut geboren wurdest,
sondern als die Frau und als der Mann, als Du,
mit diesen Eltern, Großeltern, Paten oder Ersatzeltern.
Ich habe dafür gesorgt, dass du da zur Welt gekommen bist, wo du richtig warst. Hier. Wo du hingehörst. Weil dies der beste Platz für dein Leben ist.
Du bist den Menschen begegnet, die wichtig für dich waren. egal, wie kurz oder lang diese Bewegung war.
Du hast Sinnvolles getan.
Du hast genau die richtigen Talente. 
Ich habe dafür gesorgt, dass du nicht komplett alleine dastehst, wenn es brenzlig wurde.
Ich habe deinen zerbrechlichen Körper mit Kraft versorgt, wie es möglich war.
Auch dann, wenn meine Wege dir Schmerz bereitet haben.
Ich habe dich gefunden.
Darum bist du heute hier.
Ich bin dir nachgelaufen, nachgegangen, nachgerannt.
Ich habe dich nicht gelassen -
egal ob du gläubig gelebt hast, wie du das nennst.
Und das obwohl ich wusste, dass du dir manchmal etwas vormachst, dass du freier sein könntest und liebevoller.
Du hast genau die richtige Nase und das richtige Selbstbewusstsein. Und manchmal weiß ich, was da noch in dir schlummert. 
Ich wusste, du würdest nicht einfach so durchmarschieren, 
Leben. Essen. Schlafen. Gewinnen und glauben alles sei nur Zufall. 
Stell dir nur einen Moment vor: ich habe dich so gewollt.
In meinem Herzen ist eine große Liebe für dich.

Was wäre wenn. 
Das bewege ich manchmal in meinem Kopf.
Und was wäre wenn du an Gott glaubst.
Einfach so.
Ohne Wissen.
Nur glauben.
Eines weiß ich:
Ob ich an Gott glaube oder nicht,
ändert nichts an Gottes Existenz.
Aber an meiner. Amen.

Und die Liebe Gottes, des Vaters und das Bild vom auf uns  wartenden Vater, mit weiten weiten Armen, kehre ein in unsere Herzen und Sinne. Amen.





Samstag, 22. Juni 2019

Lesung und Predigt für den 23. Juni 2019


Evangeliumslesung: Lukas 16,19-31

Jesus erzählt die Geschichte
von einem armen Mann und
von einem reichen Mann.

Einmal erzählte Jesus die Geschichte von einem armen Mann
und von einem reichen Mann.
Jesus wollte mit der Geschichte erklären:
Warum es wichtig ist, dass die reichen Leute sich um die armen
Leute kümmern.
Die Geschichte von Jesus ging so:
Es war einmal ein reicher Mann.
Der reiche Mann hatte herrliche Kleider.
Und jeden Tag das allerbeste Essen.
Und ein großes, gemütliches Haus.
In der gleichen Zeit lebte ein armer Mann.
Der arme Mann hieß Lazarus.
Lazarus hatte nichts zu essen.
Und nichts Warmes zum Anziehen.
Und kein Haus zum Wohnen.
Außerdem war Lazarus krank.
Lazarus saß den ganzen Tag draußen vor dem Haus von
dem reichen Mann.
Lazarus dachte, dass der reiche Mann ihm etwas zu essen gibt.
Aber das tat der reiche Mann nie.
Nur manchmal kamen einige Hunde.
Und schnüffelten an Lazarus.
Eines Tages starb Lazarus.
Lazarus kam in den Himmel zu Gott.
Und zu den Freunden von Gott.
Dann starb auch der reiche Mann.
Der reiche Mann kam in die Unter·welt.
In der Unter·welt sind die Menschen, die mit Gott nichts zu tun
haben wollen.
Und die mit den Freunden von Gott nichts zu tun haben wollen.
Und die sich nie um andere Leute gekümmert haben.
In der Unter·welt ging es dem reichen Mann schlecht.
Der reiche Mann hatte Schmerzen.
Und Hunger.
Und Durst.
Er fühlte sich ganz alleine.
Der reiche Mann konnte Lazarus bei Gott im Himmel sehen.
Der reiche Mann merkte, dass Lazarus bei Gott im Himmel glücklich war.
Und dass Lazarus jetzt ganz gesund war.
Und genug zu essen hatte.
Und zu trinken.
Und zum Anziehen.
Und dass Lazarus viele gute Freunde bei Gott im Himmel hatte.
Einer von den Freunden hieß Abraham.
Der reiche Mann rief laut:
Abraham.
Du sollst Lazarus zu mir schicken.
Lazarus soll mir frisches Wasser zu trinken geben.
Hier in der Unter·welt ist es ganz schrecklich.
Abraham sagte zu dem reichen Mann:
Nein. Das geht nicht.
Lazarus kann nicht zu dir kommen.
Kein Mensch kann von Gott im Himmel zu euch in die Unter·welt
kommen.
Dafür gibt es keinen Weg.
Außerdem denk mal nach:
Lazarus hat das ganze Leben lang vor deinem Haus gesessen.
Lazarus hatte keinen Platz zum Wohnen.
Lazarus war krank.
Und hatte Hunger.
Und Durst.
Und nichts zum Anziehen.
Aber du hast Lazarus nie geholfen.
Der reiche Mann sagte zu Abraham:
Ja, das stimmt.
Aber dann soll Lazarus wenigstens zu meiner Familie gehen.
Lazarus soll meiner Familie sagen:
   Ihr sollt den Armen helfen.
   Damit ihr zu Gott in den Himmel kommt.
   Bei Gott im Himmel ist es schön.
   In der Unter·welt ist es schrecklich.
Abraham sagte zu dem reichen Mann:
Nein. Lazarus soll nicht zu deiner Familie gehen.
Deine Familie weiß selber, dass ihr den armen Leuten helfen sollt.
Weil alles in der Bibel steht.
Aber deine Familie lacht über die Bibel.
Und über alles, was in der Bibel steht.
Und über Gott.
Wenn Lazarus zu deiner Familie geht,
dann lacht deine Familie auch über Lazarus.

(aus: evangelium-in-leichter-sprache.de)



Predigt

Ein Schild: „Bitte nicht stören“ wird aufgehängt



Dass Gott uns auch immer solche Lazarusse vor die Tür setzen muss! Oder?
Dem Reichen hat er den Armen Lazarus vor die Tür gesetzt.
Das war seine Chance, das Wort Gottes tatsächlich zu tun.
Gott hat sie ihm gegeben.
Jeden Morgen hatte er die Chance dazu.
Gleich nach dem Aufstehen.
Er hätte ihm ein halbes Brötchen mit rausnehmen können
oder die zwei Äpfel, selbst wenn sie schrumplig gewesen wären,
es hätte ihn nichts (!) gekostet.
Er hätte ihm eine Decke bringen können oder die abgelaufenen Reste aus seinem Kühlschrank.
Und da reden wir noch gar nicht von alten Kleidern oder eines der zehn Schuhpaare oder ein paar Cent für das öffentliche Bad.
Da reden wir nur von dem, was anfällt vom Überfluss.
Da reden wir noch nicht von echten Einschnitten 
oder gar vom Teilen. 
Und abends hat Gott ihm nochmal eine Chance gegeben.
Wenn er zurück kam von seiner Arbeit.
Wenigstens ein Wort.
Ein Lächeln.
Den anderen ansehen.
Ihn sehen.
Seine Not sehen.
Seine Bedürfnisse sehen.
Und damit die eigenen Möglichkeiten sehen.
Aber das Gesicht versteinerte er zu einem „sprich mich nur nicht an“- Gesicht.
Nicht mal Reden war drin.
Der Reiche hat es versemmelt.
Seine Chancen - hunderte, tausende hatte er bekommen.
Er hat sie nicht genutzt.

Solche Lazarusse, die einem so vor die Tür gesetzt werden von Gott - die ganze Geschichte ist eigentlich voll davon, oder?
Voll von Kriegen und voll von Entscheidungen die Waffe zu nehmen oder nicht.
Voll von Streit und das Wort des Friedens auf der Zunge aber runtergeschluckt.
Voll von Gewalt und der Respekt und die Güte saßen die ganze Zeit wartend vor der Tür, sie wurden noch nichtmal wahrgenommen.  
Voll von Abgrenzung um jeden Preis durch die ganze Menschengeschichte und die Freundlichkeit und Barmherzigkeit und die Augenhöhe saßen hilflos daneben.
Und Frauen und Männer haben sich gehasst und missachtet, die Gleichberechtigung hatten sie sogar absolut in den Keller gesperrt, die Chancen über Jahrhunderte nicht nur nicht genutzt, sondern sogar verdeckt und verdammt.
Lazarusse vor unserer Tür,
soweit das Auge reicht.
Chancen, Herausforderungen oder vielleicht sogar Provokationen Gottes?
Er setzt Unglückliche, Arme und Fliehende in ein Meer und gibt uns die Seenotrettungsboote dazu und wir lassen sie an Land,
er gibt uns das Köpfchen und den Verstand die Natur zu verstehen und die Fähigkeit zu staunen und zu wundern über die Vielfalt und Einzigartigkeit und wir nutzen sie so, dass all diese Schönheit Tag für Tag mehr Schaden nimmt.
Wir haben unendliche Chancen und nehmen auch gerne etwas davon aber nicht das ganze Paket. Mal das Klopapier aus Recycling - aber bitte nicht auch noch all das andere. 
Und ich sage „wir“ und meine mich auch
denn wer schafft das schon alles einzulösen und zu überblicken?
So spielen wir eines um das andere aus,
denn die Lazarus haben sich angesammelt und fühlen sich mittlerweile bedrohlich viel an. 
Und deine  ganz persönlichen Lazarusse,
die kennst du wohl selbst am besten.
Deine vergebenen Chancen.
Wo du selbst täglich Chance hättest auf bessere Entscheidungen und es einfach nicht schaffst.

Und dann setzt Jesus noch einen  drauf.
Da saßen vor 2000 Jahren die ersten Christen und wollten bewahren, was sie von Jesus wussten. 
Johannes, der Evangelist schrieb es für seine Gemeinde auf.
Eine Gemeinde, die von anderen verlacht und nicht respektiert und sogar verfolgt wurde. Er wollte klarstellen, dass die Bibel gilt. Von vorne bis hinten. Dass Jesus konkret gemacht hat, was das für unser Leben bedeutet, nämlich:
Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. 
Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt.
Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt.
Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.
Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Realität war, dass die Menschen darüber lachen.
Darum hat Johannes eine Rede Jesu in sein Evangelium aufgenommen, die auch einen anderen Jesus zeigt. Einen Jesus, der verbittert klingt, wütend und hart: 
Jesus sagt: „Ihr forscht in der Schrift, weil ihr glaubt, dass sie euch das ewige Leben geben kann. Und gerade sie verweist auf mich! Dennoch weigert ihr euch, zu mir zu kommen, damit ich euch das ewige Leben schenken kann. Eure Zustimmung oder Ablehnung kümmert mich nicht, weil ich weiß, dass ihr Gottes Liebe nicht in euch habt. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, aber ihr wollt mich nicht akzeptieren, obwohl ihr andere, die nur in ihrem eigenen Namen auftreten, bereitwillig akzeptieren werdet. Kein Wunder, dass ihr nicht glauben könnt! Denn ihr seid stets bereit, euch gegenseitig zu ehren, die Ehre aber, die nur von Gott kommen kann, bedeutet euch nichts. Meint nicht, dass ich es bin, der euch beim Vater anklagen wird. Mose wird euch anklagen! Ja, Mose, auf den ihr eure Hoffnungen gesetzt habt. Wenn ihr Mose geglaubt hättet, dann hättet ihr mir geglaubt. Und wenn ihr schon nicht glaubt, was er aufgeschrieben hat, wie werdet ihr da glauben, was ich sage?« (Joh 5, 39-47)

Eine Rede ist das gegen Leute die sich alles zurecht legen wie es ihnen passt. Jesus sagt: Es gilt! Die Bibel gilt. Für dich. Sie soll keine erstickende Kette für dein Leben sein. Sie hat mehr Leben für dich als du denkst.

Das alles ist für einen Sonntag ziemlich ernst. Gott erscheint so unerbittlich heute. Es ist so voller Erwartungen an mich. Wenig erbaulich. Aber Glaube ist ernst. Ernst gemeint. Die Worte der Bibel stören. Sie stören uns manchmal in unseren Pfaden, weil sie uns herausfordern. Immer wieder herausfordern. Uns an unsere Grenzen bringen. Und nicht immer wollen wir gestört werden, sondern unser Ruhe haben. Zurecht kommen. Leben.

Damals haben etliche Jünger Jesus deswegen verlassen. Ihnen wurde das zu viel. Als er einmal traurig fragte, ob auch die anderen noch gehen würden, da antwortete Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6) 

Denn diese Regeln, die hat Gott nicht gemacht um mich klein zu machen, zu überfordern, um mich scheitern zu lassen. Er hat diese Regeln gemacht, damit ICH Liebe erfahre, Güte, Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Augenhöhe, Gleichberechtigung, Achtung, Toleranz, Freundschaft, Frieden. Für mich hat er das gemacht. „Damit es dir wohl ergehe und du lang lebest auf Erden.“  (5.Mose 5) 

Zu Mutter Theresa, 
die vielleicht viel mehr dieser Lebensregeln geschafft hat, als wir alles zusammen, 
sagte einer: 
„Den Leprakranken in die Arme schließen so,
wie du es tust und so
in meinem Schoß ihn sterben lassen -
das könnte ich nicht für Tausend Dollar!“

Sie sagte: „Ich auch nicht.“

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6) Amen.

Das Schild: „Bitte nicht stören“ wird umgedreht.
Auf der Rückseite steht "Bitte Stören".


Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als all unsere Vernunft, mache unseren Herzen Mut und bewahre uns in Jesus Christus. Amen.

... passt auf Eure Liebe auf...

  Predigt am 19. Juli in Stendal Predigttext Hebräerbrief 13, 1-3: Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben.  Vergesst ...