Samstag, 16. Oktober 2021

Von Schönheit und Vergänglichkeit

Vom Menschsein


Jetzt ist ein Augenblick…. 


Und jetzt… 


Noch einer….



Schon sind sie vergangen.


Augenblicke keine Dableiber.

Sie fließen vorbei wie auf einem silbernen Band.

Jeder Augenblick aber

steht in dir kurz still, bevor er weiter geht.

Du hörst, du siehst, du spürst ihn.

Er geht ganz und gar durch dich hindurch;

dieser Augenblick, dieser Moment.

Und das ist seine Schönheit:

dass es ihn nur ein Mal gibt.

Und dass er dann fließt in Gottes Ewigkeit

für immer und ewig, so weit der Himmel reicht.

So lass dich ein paar Augenblicke ankommen bei Gott. 

Wenn du einen silbernen Stift besitzt,

dann hole ihn und zeichne die eine silberne Linie auf deine Hand.





Gebet:

Barmherziger Gott, aus der ganzen Alltäglichkeit 

komme ich heute zu dir. 

In den Raum deines Erbarmens. 

Mit dem, was ich erlebt habe. 

Mit dem, was ich vermisst habe. 

Mit dem, was ich anderen schuldig geblieben bin. 

Mit meiner Freude über gute Begegnungen. 

Mit meiner Last an Traurigem. 

Mit meiner Unruhe, weil vieles unabgeschlossen ist. 

Und ich bitte dich: 

Öffne mein Herzen für dich und das, 

was du mir zu sagen hast. 

Ich werde stille, jetzt; Herr, höre mich.....





Predigttext:

Zur Lesung sagen wir auch „frohe Botschaft“. 

Der Predigttext heute ist eine sehr sehr ungewöhnliche Botschaft, 

aber kann man sie „froh“ nennen?

Lesung aus dem Buch Prediger aus dem Alten Testament:


Predigttext aus dem Predigerbuch, Kapitel 12

Denk an deinen Schöpfer, solange du noch jung bist, ehe die schlechten Tage kommen und die Jahre, die dir nicht gefallen werden. Dann verdunkeln sich dir Sonne, Mond und Sterne und nach jedem Regen kommen wieder neue Wolken. 

Dann werden deine Arme, die dich beschützt haben, zittern und deine Beine, die dich getragen haben, werden schwach. Die Zähne fallen dir aus, einer nach dem anderen; deine Augen werden trüb und deine Ohren taub. Deine Stimme wird dünn und zittrig. Das Steigen fällt dir schwer und bei jedem Schritt bist du in Gefahr, zu stürzen. 


Draußen blüht der Mandelbaum, die Heuschrecke frisst sich voll und die Kaperfrucht bricht auf; aber dich trägt man zu deiner letzten Wohnung. Auf der Straße stimmen sie die Totenklage für dich an. 


Genieße dein Leben, bevor es zu Ende geht, wie eine silberne Schnur zerreißt oder eine goldene Schale zerbricht, wie ein Krug an der Quelle in Scherben geht oder das Schöpfrad zerbrochen in den Brunnen stürzt. Dann kehrt der Leib zur Erde zurück, aus der er entstanden ist, und der Lebensgeist geht zu Gott, der ihn gegeben hat. »



„Du siehst ja aus wie immer!“, sagt sie mit leicht holländischem Akzent. 

„Du auch“, sage ich. Und ich meine es auch so. 

Hat sie nicht immer schon so ausgesehen? 

„Wie alt warst du damals, als wir uns kennen lernten?“, frage ich sie.

 "Warte mal..“, sie rechnet: „51 Jahre.“, sagt sie. 

Ich nicke und finde es unfassbar, dass sie jetzt 81 ist. 

Sie sieht aus wie immer. 

Obwohl, ist es eigentlich ein Kompliment, ihr zu sagen, 

dass sie, 81jährig, aussieht, wie damals? 

Sah sie als 51 schon aus wie heute mit 81? 

Vermutlich nicht.

 Und ist es für mich ein Kompliment, 

wenn ich heute aussähe wie damals mit 18? 

Dabei habe ich schon drei graue Haare. 

Und ich denke an meine großen Kinder, 

die schon erwachsen sind und deren Lächeln 

oder ihr Gesicht wenn sie sich konzertieren 

oder einen Flunsch ziehen, 

doch ein wenig so aussehen wie immer. 


Ja. Doch. Menschenkörper verändern sich.

Meine liebe Freundin Maatje hat sich verändert

- von damals als sie 51 war bis heute wo sie 81 ist.

Ich habe mich verändert von damals mit 18 bis heute, 

wo ich 48 bin.

Meine Kinder haben sich verändert. Natürlich.


Menschenkörper verändern sich.


Zuerst bist Du ganz ganz winzig und schwach.

Du musst sogar getragen werden. 

Deine Füße tragen Dich noch nicht 

und Deine Augen müssen erst verstehen lernen, was sie sehen.

Deine Zähne müssen wachsen und deine Zunge kosten, 

Deine Haut spüren, Deine Hände greifen lernen.


Menschenkörper verändern sich. 

Wachsen dann an allen Ecken und Enden. 

In unfassbar schöner und einmaliger Weise. 

Sie wachsen heraus aus dem Klein-sein und noch-nicht-können. 

Sie bekommen Größe und Stärke.

Weichheit und Zartheit. Schnelligkeit und Empfindsamkeit. 

Sie lernen Lust und Schmerz. Durst und Wärme.


Menschenkörper sind unfassbar belastbar. 

Mein Großvater hat gehungert und war im Krieg angeschossen - am Hals! 

Er ist von Sibirien bis nach Hause gelaufen und hat hart gearbeitet. 

Und alles hat sein Körper ausgehalten - bis jetzt, wo er 99 Jahre alt ist. 

Und ich finde natürlich, er sieht aus wie immer.


Menschenkörper sind gleichzeitig so zerbrechlich, 

das kennst du....  so schnell können sie Schaden nehmen. 


Menschenkörper reifen wie große Früchte 

und sie sind schön - jeder auf seine Weise.

Menschenkörper sind nicht unsterblich.

Menschen können sich verletzen und krank werden.

Menschen altern. 

Wenn sie altern, sieht man das von außen.

Und weil uns das unheimlich ist, 

denken wir, es ist nicht schön.



Der Schreiber unseres Textes fand es nicht schön zu altern. 

Falten zu werfen, dass die Schritte unsicher werden, 

das Haar schütter, das Hören mühevoll. Es bedrückt ihn.

Aber so hat es Gott gemacht, sagt er.

Gott hat die Vergänglichkeit in uns gelegt .

Er hat auch noch die Ewigkeit hinein gelegt.

Das eine sehen wir:

Menschenkörper verändern sich.

Das andere ist uns verborgen:

das was ewig bleiben wird.


Ich sehe in den Spiegel.

„Du siehst ja aus wie immer“ - 

denke ich, wenn ich in den Spiegel schaue.

Gott hat mir meine Lebenszeit geschenkt.

Er lässt mir Zeit.

In Mikromillimeter kleinen Schritten

lässt er mich meine Vergänglichkeit erleben.

Er hat mir die Ewigkeit ins Herz gelegt.

Damit kann ich auch die Schönheit sehen.

Ich könnte.

Da geht es mir wie dem Schreiber vom Bibeltext.

Die Schönheit sehen, fällt nicht jedem Menschen einfach.

Meistens kann ich sie jedenfalls nicht auf einmal sehen.

Die ganze Schönheit.

Aber ich sehe sie stückweise:

der kleine Leberfleck rechts oben..

der Mundwinkel…

der Fußrücken.

Das gelingt Gott offensichtlich besser als mir.

Aber er gibt mir Augenblick um Augenblick 

um es immer wieder zu üben.

Augenblick an Augenblick wie auf einem silbernen Band.


Jetzt ist einer dieser Augenblicke, 

einStück von Gottes Zeit.

…. Und jetzt… 

Schon sind sie vergangen.

Augenblicke keine Dableiber.

Sie fließen vorbei wie auf einem silbernen Band.

Und doch waren sie.

Und das ist ihre Schönheit:

dass es jeden nur ein Mal gibt.

Und dass er dann fließt in Gottes Ewigkeit

für immer und ewig, so weit der Himmel reicht.


Wäre die Ewigkeit sichtbar wie ein silberner Faden,

dann würdest du ihn sehen an deinem Körper.

Wie eine Linie vom Haar bis zu den Zehenspitzen.

Und du dürftest wissen, 

dass das andere Ende Gott in Seiner Hand hält.

Und wenn es einmal, am Ende, reißen wird,

dann bliebe immer

dein Stück vom Silberfaden 

und dessen Endstück in Gottes Hand.


Heute siehst du ein Stückchen davon.

Es soll dich diese Woche daran erinnern,

wie schön du bist,

du Gotteskind.

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, 

der halte unseres Verstand wach und  eröffne unseren Blick 

für unsere Schönheit. Amen.


Musik: Die Alte auf der Schaukel….

- kannst du dir hier anhören: LIED




So kannst du beten:

Gott,

heute will ich für meinen Körper danken.

Jeden Tag tragen mich meine Füße.

Jeden Tag nimmt er Nahrung und schenkt mir Energie.

Jeden Tag gibt er mir eine Stimme.

Jeden Tag ist er die Höhle,

mit der ich mich in die Welt traue.

Danke dafür.



Gott,

hilf allen,

die unglücklich in ihrem Körper sind.

Lass jemand zu ihnen sagen: Du bist schön.


Bleibe mit allen, 

die unter Schmerzen leiden,

die krank sind,

die ihren Körper 

unvollkommen finden

oder entstellt.

Die ihren Körper nicht spüren 

und seine Schönheit nicht sehen können.


Lehre uns, die Schönheit jedes Menschen zu sehen,

die sich nicht an Größen und Maßen und Gesundheit 

und sogenannter Normalität festmacht.



Segen für dich: 

Der Herr segne dich so wie du bist.

Er segne deine Hände und deine Füße.

Er segne deine Haut.

Er segne deine Augen.

Er segne deine Rücken und deinen Bauch.

Er segne dein Lachen und jede Runzel.

Er segne deine Herz, das immerzu pocht und schlägt.

Er segne jede Ecke, die knirscht und knackt.   

Amen





Samstag, 17. Juli 2021

Predigt von Krit und Erft

... von der Kraft der Liebe und des Glaubens....


Die Bibel erzählt im Königebuch eine Wundergeschichte über den Propheten Elia. Sie klingt wie eine survival-Geschichte. Eine Überlebensgeschichte. Eine große schlimme Dürre wird dem Land vorausgesagt. Eine Naturkatastrophe sozusagen. Große Trockenheit. Der Prophet Elia bekommt von Gott einen Tip, wo man überleben kann - nämlich an einem kleinen Bachlauf. Der Bach Krit führt auch heute noch ganzjährig Wasser, also auch in Trocken - und Dürrezeiten. Für Trinken war also gesorgt. Die Raben, die damals keine sehr beliebten Vögel waren (heute wissen wir, dass sie sehr klug sind), versorgen ihn dort zusätzlich mit Speisen,  woher auch immer sie das Essen haben. Aber dann wird auch dort die Dürre zu schlimm, der Bach, der sonst immer Wasser führt, versiegt plötzlich - sogar er! Elia bekommt einen zweiten Tip. Er geht daraufhin, in eine anderes Land. Dort trifft Elia auf eine Witwe. Für die Witwen gab es damals eine organisierte Versorgung durch die Familie, wo dies nicht gelang, wo sie alleine leben mussten (wie hier), waren sie sehr sehr arm, hatten als allein lebende Frauen automatisch einen zweifelhaften Ruf und waren gefährdet. Die Ärmsten der Armen. Er bittet sie um Wasser, vermutlich hatte er lange nichts mehr getrunken.  Ohne Murren, will sie ihm welches holen. Er bittet sie ihm gleich noch etwas Brot mitzubringen, da protestiert sie. Sie selber habe nur noch für eine Mahlzeit Essen da. Danach rechne sie mit dem Hungertod. Auch da geschieht, wie mit den Raben, wunderhaftes. Plötzlich reichen das Mehl und das Öl nicht nur für eine Mahlzeit, sondern sie werden nie mehr alle. Wunderhafte Hilfe Gottes. Elia, diese Frau und ihr Sohn werden versorgt mit dem Nötigsten, ein Versorgungswunder.  Gott sorgt für seine Leute und sogar für welche, die gar nicht dazu gehören. Auf überraschende Weise. In großer Not. 


Not durch Naturgewalten ist oft unberechenbar und unvorhersehbar. Sie war immer schwer gefürchtet. Sie ist eine Not, die an die Lebensgrundlagen der Menschen geht. An das Land, an die Früchte ihrer Arbeit, an ihre Wohnstätte. Sie ist eine Not, die plötzlich ihr Leben in Frage stellt. Die  traurige Opfer fordert. Die so manches und manchen verändert zurück lässt. 


Eigentlich ist das heute sonst ein eher fernes Szenario. Das findet weit weg statt. Früher in den alten Bibelgeschichten. Oder heute weit von uns von Australien oder in Bangladesch. Sonst. So hätten wir vielleicht noch vor einer Woche noch gesprochen. 


Der Bach Krit aus dieser Wundergeschichte. Ein kleiner unscheinbarer Bach mit vier Buchstaben. Menschen siedeln daran, weil sie da gut leben können. Sie wohnen seit langem dort. 


Der Bach Erft ist ebenso ein kleiner unscheinbarer Bach mit vier Buchstaben,  aber er entspringt in der Eifel. Die Erft ist ein 100 km langer Nebenarm des Rheins. Radwanderwege säumen ihr Ufer, Kajak-Paddlerinnen paddeln im Sommer gern den Fluß hinab. Menschen siedeln daran, weil man da gut leben kann. Sie wohnen seit langem dort. Und: die Erft wurde mehrfach verlegt und begradigt, um dem Braunkohletagebau zu weichen, bis heute werden ließen große Mengen Grubenwasser aus den Tagebauen in den kleinen Fluß gepumpt. Bald soll sie komplett denaturiert werden. Nun wurde sie aber erstmal Teil einer Katastrophengeschichte. Einer survival Geschichte. Einer Naturkatastrophe. In diesem Fall kein Dürre und Trockenheit, sondern viel zu viel Regen. So viel Regen, dass sie anschwoll und alles Land neben sich überschwemmte. Die Menschen kamen manchmal von einer auf die nächste Minute in große Not. Unberechenbar wurde der kleine Bach plötzlich. Zum Fürchten. Eine Notlage entstand über Nacht, die an die Lebensgrundlagen der Menschen geht. Die ihr Leben in Frage stellt. Die tragische Opfer fordert. Die so manches und manchen verändert zurück lässt. 


Die Bibel benennt solche Not ganz klar. Was Menschen widerfahren kann. Vorstellbares und Unvorstellbares. Das hier, in den letzten Tagen, gehört wohl eher zu dem Unvorstellbaren. Aber die Bibel beschreibt diese Dinge wenig ausführlich. Das ist nicht ihr Anliegen. Die Menschen wissen ja Bescheid mit der Not. Die Bibel beschreibt das, was dann passiert. Sie rückt den Fokus auf das Danach. Elia bekommt Nahrung und Wasser. Obdach. Es kümmern sich welche um ihn. 

An der Erft - jetzt gerade, wo wir hier zusammen sitzen - geschehen ebenso kleine Wunder.

Die, die da stehen mit einem Paar Sandalen und einer Küche voll Schlamm, die bangen um die Eltern - unerreicht im Nachbardorf, die nichts mehr haben als ein Shirt und eine Hose: die erfahren, dass ihnen geholfen wird. 

Jemand kommt mit seinem Bagger ungerufen und kostenlos und stellt die kaputte Straße wieder her, einfach so, oder kommt mit einer Pumpe und hilft das Haus leer pumpen.

Leute stehen vor dem verschlammten Haus, sie sind 100 km gefahren und haben Schaufeln und Besen mitgebracht,

„ich weiß0 gar nicht, wie die Leute heißen, sagt die Hausbesitzerin, sie sind einfach gekommen und helfen.

Einer kommt vorbei mit Packungen voll Trinkwasser, von sich aus. Ein Nachbar, der weniger stark betroffen ist, kauft den ganzen Supermarkt aus und brät für alle Betroffenen und Helfer:innen Würste. Umsonst.

Leute kommen von fern und nah und helfen Sandsäcke füllen. Völlig unbekannte bieten jemandem auf der Straße eine Schlafgelegenheit an. Eine österreichische Spezialgruppe trifft nach 14 Stunden Fahrt zum Helfen ein. 

Einer kommt mit Powerbanks zum Aufladen der Handys, damit man seinen Lieben sagen kann, dass man noch da ist. 

Menschen bringen Kleider und Schuhe, Decken und Handtücher, Hundefutter, Kinderspielzeug. 

Nachbarn, die sich bisher nur von ferne grüßten, stehen gemeinsam im verschlammten Grundstück eines Nachbars, den es schwer getroffen hat. Überall stehen sie vor den Häusern und sprechen einander Mut zu, sie eint das Schicksal, viel verloren zu haben, und die Nacht ohne Strom zu verbringen, ohne Toilette und Wasser. Und viele spenden, geben von ihrem eigenen Geld, damit andere wieder irgendwie unterkommen und weiter leben können. Meine Freundin Jane aus Kenia, die selber in großer Armut lebt, schreibt, dass sie für die armen Menschen im Hochwasser in Deutschland beten will.  Keiner weiß wie es weiter geht, aber so viele reichen einander die Hand. Ich finde, das ist ein Versorgungswunder in allem Elend dieses Geschehens. Zeichen von tiefer Menschlichkeit, denn: nein! wir haben das nicht verlernt. Liebe ist eine Art Himmelsgabe - in unsere Herzen geschenkt, damit wir lieben können. Sie ist stärker als eine Dürre. Sie ist stärker als ein Hochwasser. Sie ist stärker als Zerstörung und Tod. 


Sich jeden Sonntag an den Glauben zu erinnern

oder noch öfter;

Sich manchmal vergewissern, dass Gott noch da ist, bzw. meine Liebe zu Gott;

Dass da noch dieses Gefühl in mir da ist: 

einer ist da für mich, unsichtbar; 

Dass ich mit anderen zusammen bete;

Dass ich mit anderen Lieder singe von Gott;

Dass ich mich wieder und wieder erinnere;

dass es Gott gibt,  dass er mich nicht alleine lässt, 

was auch immer mir passiert….


- das sind die Raben meiner Dürrezeit.

- das ist der kreisende Rettungshubschrauber voller Mut

über meinen Ängsten.

- das ist das Brot der Geduld und Zuversicht, das mich Zeiten überbrücken lässt.

- das ist  das Rettungsboot das mich wieder auf festen Boden bringt und anderen die Hand reichen lässt.


Glaube ist handfest. 

Das habe ich an diesen beiden Geschichten gelernt. 

Gott sendet Raben und Brot, das DRK oder den Nachbarn, Pumpen und Strümpfe, einen der mit weint, eine die Kaffee kocht, welche die das kalte Essen mit mir teilen. 

Dank sei Gott. Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, 

der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß 

und stärke unsere Liebe. Amen.




        Foto: Christof Stache 



Samstag, 3. Juli 2021

Predigt davon diesen Unsinn zu glauben

 Bibeltext der Predigt: 1. Kor. Kap 1:
Dieser Brief ist von mir, Paulus. Ich bin eine Mitstreiter Gottes. Ich rede zu den Leuten von ihm. Und ich schreibe diesen Brief an alle, die ihn jemals lesen werden und nach Korinth. Eine kleine Gemeinde. Die Leute dort glauben an Gott. Sie haben von Jesus gehört. Sie gehören dazu, zur Christengemeinde. 
Zuerst will ich euch sagen, dass ich tief begeistert bin, dass es bei euch eine Gemeinde gibt, Menschen, die an Gott und Jesus glauben. Und ich bin ganz sicher dass Gott mit seinem Geist, seinen Gedanken und kleinen Denkanstößen in euren Köpfen und Herzen wirkt. Dass ihr das Leben nicht für einen großen Zufall haltet. Sondern tiefes Vertrauen habt, dass es dahinter einen gibt, der liebevoll und unsichtbar in euer Leben hinein wirkt. Immer wieder. Ich will euch sagen, dass ihr nicht darum wetteifern braucht, wer von euch die Geschichten von Jesus am besten verstanden hat. Als ob er oder sie dann die Weisheit in Person wären. Darum geht es überhaupt nicht. Kein bisschen. Es geht nicht darum, den Glauben in die allerklügsten Worte zu fassen. Glaube hat nichts mit besonderer Intelligenz zu tun. Er ist keine Wissenschaft, die man einfach studiert. Glaube ist etwas, das man erfahren muss. Und erfahren kann. 
Momente, wo man hinterher denkt: Da hat mich vielleicht Gott geleitet! -  die kann man nicht machen. Nicht herbei reden. Nicht erdenken. Nur erfahren. Die Geschichte von Jesus und der Kreuzigung und Auferstehung ist keine, die man wirklich mit Worten erklären kann. So dass man ganz sicher ist: so ist es. Sie geht nur zu glauben. Auferstehung heißt, dass Gott dich aus der Tiefe heraus holt. Dass er dir neue Weg eröffnet, Verlorenes zu einem Gewinn machen kann. Das ist noch nicht mal logisch. Sogar ein wenig verrückt, daran zu glauben. Dass es so einen gibt. Das fällt sogar den weisestes Weisen schwer, denn es ist reines Vertrauen. 

Aber die es gewagt haben, die haben erfahren, dass der Glaube eine ungeheure Kraft ist, die trägt in schweren und guten Zeiten. Auch wenn sie es sich nicht erklären können. (Übertragung B.Schlauraff)





Predigt dazu...


Neulich bei einem Fest mit Tanz: Berthold schaut ungläubig nach links und rechts. Hat sie jetzt wirklich ihm zugezwinkert? Die hübsche Frau dort vorne am Tisch? Er schaut an sich herunter und betrachtet seine 112 Kilo. Sollte sie ihn gemeint haben? Ob er nochmal hinschaut? So ganz direkt? Vorsichtig blickt er zu ihr. Sie lächelt und winkt. Er schluckt. Kann es nicht glauben. Sollte er aufstehen und sie zum Tanzen auffordern? Unschlüssig scharren seine Füße. Seine Knie zucken ein wenig. Aufstehen? Hingehen? Doch lieber nicht? Sitzenbleiben? Was ist jetzt richtig? Er weiß nicht was geschehen wird. Er weiß es einfach nicht. Er kann jetzt nur spekulieren. Oder vertrauen dass es gut geht. Er schwitzt. Er weiß einfach nicht, ob er es wagen soll. Ob es richtig ist. Es könnte alles mögliche passieren. Wie soll man sowas entscheiden? Man weiß es doch einfach nicht…. 


An einem anderen Ort und einem anderen Tag steht ein kleiner Leopold an der Bushaltestelle. Heute ist er besonders klein. Mama redet mit anderen Mamas. Sie sieht gar nicht, dass er sie jetzt braucht. Sein Herz klopft wie verrückt. Alleine die Vorstellung, wieviele fremde Kinder da jetzt in dieser Schule sein werden, macht ihm Gänsehaut. Bestimmt kriegt er gleich Schluckauf. Seine Hände sind ganz nass. Woher soll er wissen, wie er sich verhalten soll?Woher wissen immer alle, dass es funktionieren wird, was sie machen? Er weiß es nicht. Er weiß es einfach nicht. Und das macht ihm Angst. Ihm ist sogar ein bisschen übel. Was wenn niemand mit ihm spricht? Wenn niemand neben ihm sitzen will? Wenn er die Toilette nicht findet? Wenn plötzlich seine Stimme weg bleibt? Er weiß das alles nicht. Und doch wird gleich der Schulbus kommen und er muss dort einsteigen. Boah, ist das schwer!


An einem noch anderen Ort und einem ganz anderen Tag schwitzt auch Theresa die Hand. Nun sitzt sie hier. In der Werkstatt. Oder besser im Büro. Von den vielen Möglichkeiten hat sie sich jetzt für diese hier entschieden. Sie hat lange geschwankt, was sie für einen Beruf lernen soll. So ganz sicher ist sie sich nicht. Niemand in ihrer Familie arbeitet in einer Werkstatt und schraubt an Autos. Die machen alle was Soziales. Gestern Abend und in der letzten Woche beim Praktikum hier war sie sich so sicher. Aber jetzt ist es ernst. Vor ihr liegt der Ausbildungsvertrag. Ein echter. Mit Stempel und allem drum und dran. Der Chef lächelt freundlich. Ihr Hand stockt. Meine Güte, Alter, sie ist 16!, denkt sie. Ich bin 16. Woher soll ich wirklich wissen, ob das jetzt die richtige Entscheidung ist. Ehrlich, ganz echt jetzt: ich weiß. es. nicht. Was wenn es mir hier langweilig wird oder keinen Spaß macht? Noch mehr Wenn-Sätze und Was-Sätze schießen durch ihren Kopf. Entscheiden ist so schwer. Weil man ja nie weiß, was dann kommt. Sind ja alles nur Vermutungen oder Hoffnungen oder Träume…. 


So ist das mit dem Wissen.

Wir können ganz viel Wissen wissen.

Es kann uns in mancher Hinsicht ganz viel nutzen.

Und es kann Momente geben, 

da nützt uns unser ganzes Wissen gar nichts.

Alle Weisheit der Welt kann uns nicht sagen, 

ob die Liebe und die Hoffnung, 

die Sehnsucht, der Glaube aufgehen.

Es gibt keine Garantie.

Wir Bertholds, Leopolds und Theresas 

können es einfach nur wagen,

wo wir im Leben unsicher sind.

Wo es Dinge gibt, 

die mit Wissen nicht allein zu entscheiden gehen.

Der Glaube gehört auch zu diesen Dingen.

Zum ihm sagt Paulus sogar, 

dass er anderen als Unsinn erscheinen wird. 

Jesus sagt solche Sätze wie: 

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 

Das ist doch ein Unsinn-Satz!

Wieso glaubt ihr denn sowas?, sagen die Leute.

Wie kann ein Schwacher mächtig sein?

Wie kann man an etwas glauben, das man nicht sieht?

Das ist unlogisch.

Aber genau - das ist es eben.

Das Leben ist ja auch nicht logisch. 

Es ist verworren, wild, unberechenbar, unlogisch.

Es schafft Fakten, die du dir nicht ausgesucht haben, 

es stellt dich vor Aufgaben, die du nicht gewollt hast,

es bringt in positivster Weise so viel, 

was du machen kannst - 

aber auch in erschreckender Weise Dinge, 

die du nicht beeinflussen kannst. 

Die du nicht wissen und voraussehen kannst.

So mehr du es auch immer mehr verstehen magst 

und wissenschaftlich zerlegen.

Einmal kann eine Entscheidung gut gehen

und beim nächsten Mal schief.


Die Weisheit, die die Bibel meint, ist eine andere Weisheit.

Sie meint kein Verstehen im logischen Sinne. 

Sie ist eine geschenkte Weisheit,

die plötzlich da ist, eine tiefe innere Sicherheit.

Unaussprechlich und unbeschreiblich.

Auch das was die Bibel mit Kreuz und Auferstehen meint, 

ist nicht einfach zum Verstehen,

sie erscheinen plötzlich in deinem Leben

und werden dadurch für dich wahr. Wahrhaftig.

Der Gott der Bibel kann auch nicht einfach erklärt und verstanden werden. 

Es ist anders mit ihm:

Er ist inmitten von dir, von uns, von dieser Welt,

er wird einfach lebendig ein deinem Tun, 

in meiner Liebe, in Gemeinschaft, im Verzeihen…


Darum sagt die Bibel,

dass es manchem eine Torheit zu sein scheint,

reiner Unsinn, 

weil die Gute Botschaft von Gott nur zum Teil eine Sache des Verstandes ist.

Es ist vor allem die Sache Deines Lebens.

Deines Liebens.

Deines Schwachseins.

Deines Zutrauens.


Jesus sagt:

Dein Herz erschrecke nicht.

Versuche es.

Glaube an Gott und glaube an mich.

Ich bin der Weg und Wahrheit und das Leben. 

Auferstehung heißt, dass ich dich aus der Tiefe heraus hole. 

Dass ich dir neue Weg eröffne, Verlorenes zu einem Gewinn machen kann. 

Das ist für dich nicht logisch. Sogar ein wenig verrückt. 

Mutig, wenn du daran glaubst. 

Dass es so einen wie mich, wie Gott, den Vater  gibt. Sei nicht betrübt, 

wenn es dir manchmal schwer fällt, 

denn das fällt sogar den weisestes Weisen schwer.  

Aber die es gewagt haben, die haben erfahren, 

dass der Glaube eine ungeheure Kraft ist, 

die trägt in schweren und guten Zeiten. 

Sie haben es erlebt, auch wenn sie es sich nicht erklären konnten.

Dein Herz erschrecke nicht. 

Hab Vertrauen. Gott wird es machen. Amen


Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als all unsere Vernunft, 

bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


Samstag, 19. Juni 2021

Predigt vom Verlorensein und der Macht des Suchens

Vom Verlorensein


Ich bin nicht da wo die anderen sind

oder die anderen sind nicht hier

da wo ich gerade bin

hier liegt der Staub von Vergessenheit 

auf mir

es ist der Winkel

in den niemand schaut

wer schaut hin zu mir

gibt es jemanden?


Ich bin nicht da wo die anderen sind

oder die anderen sind nicht hier

da wo ich gerade bin

wie gut

der Rückzug tut 


einfach ohne die anderen sein

ohne Schmerz

ohne Ärger

wer interessiert sich für mich

gibt es jemanden?


Ich bin nicht da wo die anderen sind

oder die anderen sind nicht hier

da wo ich gerade bin

- ob ich ihnen fehle?


ich bin unvollständig 

in meinem Rückzug

in meiner Verlorenheit

ist keine Hand die mich aufhebt

und den Staub zur Seite schiebt?

die mich an sich drückt?

gibt es jemanden?



 


Lesung für heute sind die folgenden beiden Geschichten:
Die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Münze1 Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, um ihn zu hören.
2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich und schimpften: »Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er isst sogar mit ihnen!«
3 Da erzählte Jesus ihnen folgendes Gleichnis:
4 »Stellt euch vor, einer von euch hätte hundert Schafe und eins davon geht verloren, was wird er tun? Lässt er  nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück, um das verlorene Schaf so lange zu suchen, bis er es gefunden hat?
5 Wenn er es dann findet, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern
6 und trägt es nach Hause. Dort angekommen ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen: ›Freut euch mit mir, ich habe mein verlorenes Schaf wiedergefunden!‹
7 Ich sage euch: So wird auch im Himmel Freude herrschen über einen Sünder, der zu Gott umkehrt – mehr als über neunundneunzig andere, die nach Gottes Willen leben und es deshalb gar nicht nötig haben, zu ihm umzukehren.
8 Oder nehmt ein anderes Beispiel: Eine Frau hat zehn Silbermünzen gespart. Eines Tages verliert sie eine davon. Sofort zündet sie eine Lampe an, stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht in allen Ecken.
9 Endlich findet sie die Münze. Sie ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und erzählt: ›Ich habe mein verlorenes Geld wiedergefunden! Freut euch mit mir!‹
10 Genauso freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt.«


 

Predigt:

Ich bin nicht da wo die anderen sind,

oder die anderen sind nicht hier,

da, wo ich gerade bin,

ist keine Hand die mich aufhebt

und den Staub zur Seite schiebt?

die mich an sich drückt?

gibt es jemanden?


- so fühlt sich Verlorenheit an!


Nicht auf der richtigen Seite.

Nicht im richtigen Team.

Nicht die richtigen Kleidung oder Hautfarbe 

oder Musik oder Sprache oder nicht der richtige Körperbau.

Nicht das richtige Geschlecht. Die korrekte Sexualität. 

Nicht die richtigen Argumente oder Interessen.

Nicht der richtige Zeitpunkt.

Aus irgendwelchen Gründen in Verlorenheit geraten.

Oder einfach nur niemanden an der Seite. Einsam.

Leere im Leben neben mir.

Einfach da hinein geglitten, ganz unbemerkt.

In ein Abseits geraten. 

Den Anschluss verloren.

Mich in Lügen verstrickt.

Den Sinn verloren. Die Kraft verloren.

Irgendwo selber verloren gegangen.

Im Leben oder in einer Angelegenheit, 

die nicht gut für mich läuft.


Ich bin wie ein alter Groschen,

der unten liegt und den niemand beachtet.

Nicht mal aus Ablehnung,

nein, aus Nachlässigkeit,

Unachtsamkeit, Flüchtigkeit, 

Unbeholfenheit, Geschäftigkeit.

In einem unbeobachteten Moment ist es einfach geschehen.

Bin ich abgestürzt, davon gekullert.

Verlorene finden immer die besten Verstecke.

Orte, Haltungen, Methoden 

- wo und wie man nicht auffällt.

Vielleicht auch wo niemand herankommt. 

Jedenfalls nicht einfach so.

Es müsste sich schon jemand wirklich Mühe geben.

Ich müsste jemandem fehlen.

Jemand müsste mich suchen wollen

und ein Licht anzünden und nicht nachlassen, 

Mich zu finden.

Verloren sein.

Abgeschnitten vom Leben.

Das sind keine krassen Persönlichkeiten weit weg von dir.

Das sind Leuten neben dir.

Manchmal du selbst.

Und so wie beschrieben 

oder noch ganz anders 

fühlt man sich, 

wenn man verloren ist.


Einmal  war ich verloren. Und hat mich jemand gefunden.

Ich war 19 Jahre alt.

Neu  in einem fremden Land, 

dessen Sprache ich damals noch wenig verstand.

Weit weg von Familie und Freunden.

Und hielt eines Abends einen Brief 

mit einem schwarzen Rand in den Händen.

Noch nie hatte ich einen Brief 

mit einem schwarzen Rand bekommen. 

Weißt du, wie viele Leute, 

dir da plötzlich durch den Kopf jagen?

Und wie du dich plötzlich durch eine Tür geschoben fühlst, die Tod heißt?

Der Brief kam von der Mutter eines Freundes.

Er hatte sich mit Mitte 20 das Leben genommen.

Ich weinte.

Ich war alleine. 

Total verloren. 

Aber es fand mich jemand. 

Fast sofort.

Eine Nachbarin klopfte.

Sie hatte das Weinen gehört.

Sie sprach meine Sprache.

Sie hielt mich fest.

Ich war gefunden, nicht mehr total verloren.

Das tat gut.

Ich war wieder vollständig.


Wenn du diese Bibelgeschichte heute hörst:

einer verliert ein einziges Schaf von 100…

und geht es suchten,

eine verliert eine Münze von vielen…

und dreht alles um, um die eine zu finden

- was denkst du, wer DU bist?


Bist du einer/eine von den neunundneunzig.

Also nicht verloren.

Wer ist dann verloren gegangen?

Wer ist ein Verlorener aus Deiner Sicht?

Kennst du welche, die verloren sind?

Und lohnt es sich, ihretwegen alles aufzuhalten und 

sich diesen Verlorenen hinzuwenden?

Hättest DU offene Arme für die Verlorenen, 

die du so kennst?


Oder bist du der/die Verlorene?

Hast irgendwie ein Gefühl, abgeschoben zu sein, 

nicht beachtet, nicht passend, nicht ausreichend?

Bräuchtest Du so sehr jemanden, 

der mit offenen Armen auf DICH zukommt?


Ich möchte Dir 1/2 min. Zeit geben 


- was denkst Du, wer in deinem Umfeld, wer hier in …, 

wer in unserem Land mag sich verloren fühlen?

Was für Menschen sind das, ganz konkret.


Stell sie dir vor.


(…)



Ich gebe dir nochmal Zeit:

- wann hast Du selbst dich einfach abgehängt gefühlt?

Weißt du das noch, wie das war?

Oder gibt es aktuell etwas, wo du ein wenig verloren bist,

oder sogar sehr?


(…)


Lass Dir sagen:

Gottes Kräfte suchen nach dem was Verloren ist.

Sie würden sich dafür selbst durch die Wüste schlagen.

Manchmal sucht niemand 

außer Gottes unsichtbarer Geistkraft,

manchmal kommen aber auch andere,

jemand von nebenan, eine zufällige Person, 

jemand, der dich liebt.

Knien sich hin, Schauen hin, Lassen nicht nach.

Es ist nicht egal, wenn jemand verloren geht!

Es ist nicht egal, 

wenn jemand sich wegen etwas verloren fühlt.

Gott ist es nicht egal.

Und dir kann es nicht egal sein.

Etwas, das fehlt macht das Ganze 

zu einem „Ganzen, dem was fehlt“.

Es ist kein Ganzes mehr.

Das Verlorenen prägt das Ganze.

Wen wir verloren geben, wen wir aufgeben,

bleibt als „verloren“ Teil unseres Lebens, unserer Welt.


Tatsächlich erzählt der Bibeltext gar nicht davon, 

wie man verloren gehen kann,

 sondern wie man gesucht wird. 

Wie man erwartet wird.

Er erzählt vom Wiederfinden. 

Von der Freude. 

Von der Kraft des Suchens. 

Von der Macht des nicht-verlorengebens. 

Auch davon,

dass es Gott egal ist, 

wie es dazu kam, dass du in dieser Lage bist

- oder andere.


In dieser Geschichte heute geht es um dich:

Als ein Mensch, der gesucht wird, 

falls er einmal  verloren ist.


Und als jemand

der selber die Macht des Findens hat. 

Du bist anderen und Gott nicht egal.

Lass auch dir andere nicht egal sein.


Die Bibel hat übrigens lauter Erinnerungsformeln, 

die wir sprechen sollen, um DAS nicht zu vergessen,

wie der 27. Psalm, den wir vorhin gesprochen haben:


Gott ist mein Licht und mein Heil, 

vor wem sollte ich mich fürchten. 

Gott ist meines Lebens Kraft,

vor wem sollte mir grauen. Amen.

Und die Liebe Gottes, und das Bild, 

wie er dich suchen würde, kehre ein in unsere Herzen und Sinne. Amen.



        (Foto: S. Freemind)


Samstag, 5. Juni 2021

Predigt vom Weglaufen

Predigt 

 über die Geschichte vom Propheten Jona, der einfach weglief, 
als Gott ihm einen Auftrag gab, der über das Meer flüchtete                                                                                                           
und im Bauch eines Walfische gerettet wurde. 


In Weglaufen bin ich gut.

Im Weglaufen bin ich ein Jona.

Unangenehme Dinge klären.

Der eigentlich angesagte Arzttermin.

Der Rückensport am Abend.

Der Anruf, der überfällig ist.

Das ehrliche, klärende Wort.

Die Ansage, die dran wäre.


Die Veränderung, die ich vor mir her schiebe.

Aufträge, die mir mein Glaube geben müsste:

für Gottes Gerechtigkeit kämpfen.

Sowas alles und viel mehr,

das schiebe ich gerne.

Tue so, als ob Ichs nicht sehe.

Zufällig vergesse.

Zu beschäftigt bin.

Ich laufe weg.


Klar. 

Von außen da sehe ich, da sehen wir alle, 

gut organisiert aus.

Gut aufgestellt.

Die anderen denken immer: 

wow, wie schafft der andere das nur?

Ich bin wohl die einzige Wegläuferin hier weit und breit?

Niemand sonst läuft vor solchen Dingen fort.

Alle andern erledigen die Sachen gleich,

Alle anderen stellen sich jedem Berg und Gipfel.

Alle anderen ziehen durch.


Tatsächlich aber, glaube ich,

sind wir eine Gemeinschaft von Jona-Menschen.

Die meisten.

Es gibt tatsächlich Ausnahmen.

Es gibt einige, die können nicht mehr aufhören mit weglaufen. 

Da wird das Weglaufen, Ausweichen, Umgehen, Nichttun, 

Nichtzukönnenmeinen zur Krankheit.

Es gibt einige, die drücken alles weg. 

Die sollten öfter mal weglaufen und nicht immer aushalten.

Aber der allgemeine Jona-Mensch,

der läuft mindestens einmal am Tag - schlups - 

einer Sache davon, die er oder sie auch erledigen könnte.

Theoretisch.


Weglaufen ist einer der menschlichen Stressreflexe.

Manchmal kämpfen wir auch.

Manchmal erstarren wir.

Aber Weglaufen ist unser Schutz.

Er ist nur gehäuft ein ebenso ungesundes Ding 

wie zu viel Zucker. 

Von dem wir wissen, dass er in Massen nicht gut tut.

Und trotzdem knistern die feinen Tüten 

im Süßigkeitenfach…

Genauso ist stetes Weglaufen ungesund, 

denn es ändert nur selten etwas an dem, was dran wäre,

oder?


Jona ist vermutlich nicht zum ersten Mal weg gelaufen.

Witzigerweise wusste das Gott natürlich auch. 

Er kannte ihn ja in- und auswendig.

Jona hat gedacht,

Gott bekommt es nicht mit.

Der hat ja immer so viel auf der ToDo Liste,

bei so vielen Menschen auf der Welt.

Jona denkt, dann, als es zu spät ist:

Gott hasst es, wenn jemand wegläuft. 

Also vermutlich auch mich.


Aber weißt du,

Jona stellt schließlich fest,

dass Weglaufen manchmal gerade Gottes Plan ist.

Das wissen wir nur nicht.

Gottes Nähe hört nämlich nicht auf, 

wenn wir vor etwas ausweichen und es vermeiden, umschiffen, aufschieben.

Gottes Nähe ist ein Schiff und rettende Höhle,

wenn alles schlimmer kommt als erwartet.

Da wo wir vermeintlich weglaufen

ist Gott dabei,

als wäre auch das sein Weg mit uns.

Wo wir das Weite suchen, 

die Wahrheit meiden,

den herannahenden Sturm ignorieren,

die Not geflissentlich übersehen,

entfernen wir uns nicht von Gott.


Tatsächlich ist Gott ohnmächtig

gegenüber unserem Nichthandeln

- in dem Sinne, dass er die Realität nicht andersherum zaubern kann, 

einfach eben ohne unser Tun.

Tatsächlich ist Gott oft ohnmächtig aber bleibt einfach da.

Jedes Ausweichen bringt uns nicht weiter von Gott weg.

DAS ist die Allmacht Gottes.

Die Macht seiner/ihrer Liebe.

Gott ist der Hafen der Flucht und der Wiederkehr,

ist an Bord in Sturm und im Dümpeln ohne Orientierung,

ist mit uns auf See bis an den Rand, 

wo es nicht weitergeht.

An den Rändern des Lebens liegen wir 

in den Mantelfalten seiner Zuwendung.

In Flucht und Einsamkeit

umgibt uns letztendlich das Bauchfell seiner Gnade.

Und so oft ist genau das der Weg,

 den wir brauchten, 

um dann doch ein klärendes Wort zu sagen 

und eine Entscheidung hinter uns zu bringen.


Gott sagt:

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht!“

Das gilt

meines Wissen

immer.

Amen.


Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, 

der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß 

und stärke unsre Liebe. Amen.







        (Foto: Blog von I. Garciá)

... passt auf Eure Liebe auf...

  Predigt am 19. Juli in Stendal Predigttext Hebräerbrief 13, 1-3: Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben.  Vergesst ...