Samstag, 27. Juni 2020

Gott hat zu tun / Predigt am 28. Juni 2020

Lesung aus dem Michabuch:

Wo ist solch ein Gott, wie du bist

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, 

der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld 

der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld 

der an seinem Zorn nicht ewig festhält, 

der an seinem Zorn nicht ewig festhält, 

denn er hat Gefallen an Gnade! 

denn er hat Gefallen an Gnade! 

Er wird sich unser wieder erbarmen, 

Er wird sich unser wieder erbarmen, 

unsere Schuld unter die Füße treten

unsere Schuld unter die Füße treten 

und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 

und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.



(Bildrechte Ferdi Rizkiyanto)



Predigt:

Ich sehe ihn vor mir: Gott.

Ganz deutlich. 

Wie er Tag für Tag seinen Zorn nicht mehr fest hält.

Mit großer Liebe lässt er seinen Zorn los.

Finger für Finger und lässt ihn einfach fallen.

Dazu braucht man einen wichtigen Grund und 

etwas, das größer ist als Zorn, sonst gelingt das nicht.

Der Zorn ist manchmal wie ein wildes Tier. 

Wenn er seinen Kopf hin und her schüttelt, 

dann sieht er nichts mehr, 

dann ist da nur noch er, der Zorn.

Er packt mit seinen Tatzen nach deiner ganzen Kraft,

all die anderen darinnen schubst er zur Seite

und genießt es zu brüllen und Gewalt zu tun.

Ich sehe es vor mir.

Gott lässt den Zorn los. 

Der rennt davon 

- so ganz ohne jemanden, der ihn will.

Aber Gott hat ihn gebraucht,

denn der Zorn spürt auf, wo es quer läuft.

Nun lässt er ihn laufen.


Aber jetzt ist wieder all das andere zu sehen.

Das, was ihn zornig gemacht hat.

Und was macht Gott?

Er tritt drauf. 

Es ist sein Versuch,

dass das endlich alles zu Ende ist. 

Die Schuld, die Gleichgültigkeit, die Anmaßung, die Ungerechtigkeit, die Selbstsucht, die Lust am Verletzen, am Niedermachen, Missachten, Vergewaltigen, Töten, Lügen, Zerstören, all die Ausreden, warum jemand jetzt nicht Rücksicht nehmen kann oder seinen Lebenswandel ändern. Er stampft mit seinen riesigen Füßen auf Worte wie Neger und Hurensohn und Judenschwein. Er hopst auf die Gifte und Feuer im Wald, auf Schweineställe so groß wie Flughäfen, unnütze Müllberge und Ketten von Versklavung aller Art, auf Hunger, Kriege und ungesehenes Leid.

Es hat etwas Wildes und Herzerfrischendes, so darauf herum zu trampeln und ich könnte glatt mit ihm trampeln. 

Aber es hat auch etwas Verzweifeltes. Denn so ganz lassen sich all diese Dinge nicht zertrampeln. Alles scheint miteinander verwoben: das Lieben des einen mit seinem gemeinen Missachten,  die Ausreden der anderen mit eigenen schmerzenden Narben und das Lachen des Dritten mit einer unbekannten Lüge. 

Und darum nimmt Gott alles und wirft es ins Meer. So weit weg, dass meine Augen es von hier nicht mehr sehen können. Das arme Meer, denke ich noch. Aber es ist riesig und tief und alle Sünde und Schuld passt hinein und sinken tief auf den Meeresgrund.  

Mir ist gleich klar: es ist ja nicht wirklich weg,

aber wie Gott es so mit gewaltiger Kraft hinein wirft, und wie er so viel Energie darauf wendet und Konzentration und Leidenschaft, es weg zu schaffen, sehe ich auf das still gewordene Meer und wie alles sein könnte und ich sehe, wie manches sich lösen könnte.  Schuldverstrickungen, Sündenfälle. Man  könnte es vielleicht doch lösen. Nur für eine alleine ist es zu schwer. Es bräuchte richtig viele Hände und Füße, Zorn und Loslassen.

Ich meine, Gott hätte ja einfach weg laufen können bei diesem Anblick von Verwirrendem und Kaputtem und nicht zu seinem Reich der Liebe Passendem. Aber das macht er nicht. Er probiert es einfach weiter. Es lässt nicht locker. Und bei allem: Er hält zu mir. Das ist seine größte Kraft. Seine Allmacht. Zu mir zu halten. Zu dir. Zu uns. Tag für Tag mit Wut und Liebe. Über jeden Zweifel erhaben, dass dies alles noch lösbar wäre. All die Schuld, auch meine, und was sie bewirkt haben. 

Lobt diesen Gott, sagen die Alten.

Wo ist solch ein Gott, wie er ist

der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld 

der an seinem Zorn nicht ewig festhält, 

Er wird sich unser wieder erbarmen, 

unsere Schuld unter die Füße treten

und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 

Lobt diesen Gott, sagen die Alten.

denn er hat Gefallen an Gnade! 

Er löst dich. Macht deine Hände frei.

Das ist Gnade. Tiefe Gnade. Gelöst sein können.

Sich von Gott lösen lassen. Wissen dass Gott nicht aufhört um, meinetwillen und deinetwillen. 

Vielleicht auch um seinetwillen. 

Wo ist so ein Gott? Amen.


Und die Gnade Gottes, die höher ist als unsre Vernunft, halte unser Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe. Amen.

Freitag, 19. Juni 2020

Konfirmationspredigt 2020

mit dem Song "Meer sein" von Silbermond


(Foto: B.Schlauraff)

 

Es ist gut,

das zu sagen:

„Gott, du bist da.

Du stehst uns bei.“

Es ist gut, Gott einfach Danke zu sagen.

Es gibt 10.000 Gründe dafür.


Und dennoch:

wohnt da ein Sehnen tief in mir

eine Sehnsucht 

nach 

MEHR

nach viel mehr


Und du? Ja, DU.

Von was ersehnst du dir „mehr“?


                    .....
 

Grad jetzt vielleicht:

mehr Zeit für dich 

mehr wahrgenommen werden

mehr Gemeinsames endlich wieder

mehr Klarheit im Chaos

mehr Sicherheit 

mehr Gesundheit 


Kennst du auch diese alte Sehnsucht am dünnen Faden

nach mehr Liebe

mehr Gerechtigkeit

mehr Frieden


mehr Mut

mehr Glaube

mehr Zuversicht


mehr Gelassenheit

mehr Vertrauen

mehr Ehrlichkeit


mehr Rücksicht

mehr Offenheit

mehr Geduld

 

nach

mehr sicheinlassenkönnen

mehr wie Jesus sein

mehr Einfachheit


oder die Sehnsucht aus tiefstem Herzen nach

mehr Umarmungen

mehr Küssen

mehr lachen

mehr fühlen und spüren

mehr Melone

mehr Prosecco

mehr Knoblauch

mehr nichtstun 

mehr Live-Musik  

mehr tanzen

mehr fröhlich sein

mehr Wildheit

mehr geliebtsein


und manchmal die Sehnsucht der müden Momente

nach mehr Ruhe

mehr Zeit

mehr Schlaf

mehr Wolken

mehr Sand 

mehr Meer.


Da könnte viel mehr sein.

Für Gott ist Mehrsein kein Problem.

Gott hat Mehr.

Mehr von allem.

Uns bleibt die Sehnsucht.

Oder ist es am Ende nicht doch so:

auch wir könnten mehr sein?


Wir könnten viel mehr sein.

Zusammen könnten wir mehr sein.

mehr von alledem

einzeln könnten wir mehr sein

für uns selbst

wenn wir uns trauten


Zusammen haben wir in diesen Tagen erlebt

wie manche Dinge mehr werden

die wir nicht wollen

und dann auch


wieviel mehr 

weniger sein kann

wieviel mehr

wir zusammen sein können


Und ist es nicht so,

dass da das Leben ist?

Wo wir mehr sind?

Mehr als ein Wort.

Mehr als unsere Möglichkeiten,

Mehr als Schweiß und Erfolg.

Mehr als Gewohnheiten.

Meine Sehnsucht schaut nach Gott,

weil Gott mehr ist, als ich weiß

Und er sagt, dass ich mehr bin 

 

hör mal.....



Ich wünsche dir etwas.

Ich wünsche dir Gott.

Du kannst in seinem Meer mehr sein.

Amen.


Samstag, 30. Mai 2020

Wo der Geist Gottes ist....


Pfingsten 2020

Als es Pfingsten wurde. Damals. Heute.




Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 
Und als die seltsamsten Tage gekommen waren, die sie je erlebt hatten, da waren sie alle alleine in ihren Häusern. Und es geschah plötzlich, dass wie ein Sturm vom Himmel ihr Leben wie durcheinander gewirbelt wurde und alle mussten ihr alltägliches Leben völlig umstellen. Und es waren so viele Worte und Bestimmungen und Rundverfügungen und Erlasse, dass niemand mehr schaffte, alle zu lesen. Und mittendrin gab es Worte wie Feuer. Wort von Mut. Worte der Liebe. Und kleine Geschenke voll menschlicher Wärme und Anrufe mit trostreicher Stimme und Briefe mit beflügelnden Worten - alles so, wie der Geist es ihnen eingab um einander zu stärken.  

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Als nun diese Dinge geschahen wurden die Menschen sehr verstört. Weil sich einfach ihr Leben von einem auf den anderen Tag änderte und sie konnten nichts dagegen tun. Eine Krankheit nahm das Zepter der Tage in die Hand und regierte mit Angst und Fernsehbildern, schlimmen Prognosen und Abstandsregeln. Aber die Menschen ließen sich nicht fesseln von diesen Bildern und Dingen, sondern sangen auf Balkonen, trompeteten aus den Fenstern, schrieben sich Liebesgrüße auf die Straße und grüßten sich ausgiebig herzlich von ferne an den Gartenzäunen. Manche schauten verwundert und fragten: „Ist das das alte Wort Gottes, das hier plötzlich aufblüht wie ein Wundergarten voller bunter Blüten? Wir hören es in all den Worten, die uns jetzt so sehr Mut machen. Wir sehen es auf Whatsapp und  Instagram, auf YouTube und facebook, in Filmen und Videogottesdiensten, in den Zeitungen und Rundbriefen, auf gemalten Steinen und in Segenszeichen am Fernsehbildschirm.“ Ein jeglicher hörte es mehr denn je in einer Sprache, die ihn berührte. In einem Moment, wo das Herz offen und wund war und diesen Mantel der guten Wort brauchen konnte. 

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«
Und viele nahmen das Wort Gottes in den Mund und trugen es zu anderen. Ohne Scheu. Ohne Scham über diese alten Worte. Und Gott goss seinen Geist aus über alle, die angstvoll waren und unsicher, die einsam waren und genervt, die müde wurden und zweifelnd. Und Söhne und Töchter hatten immerzu gute Ideen und die Jünglinge und Girlys bewiesen so viel Geduld und Verständnis und die Alten hatten Träume und Langmut. Und auf jeden kam Gottes Geist wie eine zusätzliche Kraft, all das Neue zu bewältigen. Und alle gedachten voll Mitgefühl derer, die liebe Menschen an diese Krankheit verloren hatten. Und viele wurden wieder heil. Und langsam durfte das Leben wieder kommen. Und in all dem alten Leben, das wieder kam,  hatte sich doch so viel Neues eingenistet. Und Gottes Wort hatte plötzlich eine neue Sprache gefunden und wohnte wieder bei den Menschen.

(aus: Die Apostelgeschichte / Unsere Geschichte)



Sonntag, 17. Mai 2020

Gottesdienststückchen für dich heute..

Beten und Atmen

Gebet:
Herr, öffne mir die Herzenstür,
denn dann kann ich zu dir reden,
das fällt mir nicht immer leicht,
oft fällt es mir erst ein, wenn es mir schlecht geht.
Herr öffne mir die Herzenstür,
lass es mich wieder finden - mein Gebet.

Versteinert ist manchmal mein Herz
und meine Klagen finden
keine Sprache.

Verschlossen
ist manchmal mein Mund
und meine Worte finden
keine Töne.

Gelähmt
sind manchmal meine Hände
und mein Wille findet
keine Form.

Jesus Christus
erbarme dich.
Gott, erbarme dich unser,
erbarme dich über unsere klagenden Gebete 
in diesen Tagen, erbarme dich, über unsere Ängste.

- sei einen Moment ganz still -

Gott am Ende dieser Woche komme ich zu dir,
angefüllt mit all dem Guten und mit all der Sorge,
die mich in den letzten Tagen beschäftigt hat.
Ich will zu dir beten, mit dir reden,
ich kann dir alles übergeben, in deine
Hände legen, was mich beschäftigt und bewegt.
In der Stille sprechen ich jetzt zu dir.

- sei einen Moment ganz still -

Herr, lass mich erfahren, wie ein Gebet etwas bewegen kann, 
hilf meinen Zweifeln und verscheuche meine Scheu, 
stärke mein Beten für mich und für andere. Amen.

Lesung: Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, damit sie von allen gesehen werden. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert. Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebetsworte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel! Mach deinen Namen groß in der Welt. Komm und richte deine Herrschaft auf. Verschaff deinem Willen Geltung, auf der Erde genauso wie im Himmel. Gib uns, was wir heute zum Leben brauchen. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir allen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind. Lass uns nicht in die Gefahr kommen, dir untreu zu werden, sondern rette uns aus der Gewalt des Bösen. Wenn ihr den andern vergebt, was sie euch angetan haben, dann wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. Wenn ihr aber den andern nicht vergebt, dann wird euer Vater euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.« (aus Matthäus 6)

Musik: (Wir haben ein Osterlied gehört)

Predigt:

‚Gelobt sei Gott!‘ hat Andreas gedacht. Ein gut trainierter  Mann in den besten Jahren, seit 40 Jahren Posaunenchormitglied, sächsischer Landesvorstand bei den Johannitern, politisch und kirchlich engagiert. ‚Gelobt sei Gott!‘ dachte er am Ostermorgen. Nach 3 1/2 Wochen zum Teil ohne Bewusstsein, an einer Beatmungsmaschine angeschlossen. Gerade noch so die Kurve gekriegt. Gerade so die Augen wieder geöffnet. Noch unscharf sehend. ‚Gelobt sei Gott!‘ dachte er, als er realisierte, wie es um ihn gestanden hatte. Undeutlich sieht er die Umgebung, so ohne Brille und noch etwas bewegungsunfähig in seinem Krankenhausbett. ‚Gelobt sei Gott!‘ rufen seine Gedanken tonlos der kleinen dunklen Kontour zu, die er entfernt an der Wand hängen sieht, nur undeutlich kann er es sehen: ein Kreuz. Dort an der Wand. Ein Kreuz das ihn verbindet mit dem, der alles durchgestanden hat. Auch Andreas hat es durchgestanden. Der Atem kommt wieder. Die Kraft kommt wieder. Das Sprechen kommt wieder. Die Lebenslust kommt wieder. Draußen hört er die Glocken läuten. Die Glocken, die uns alle verbinden nach wie vor, da, wo wir uns nicht sehen können. Jemand betet mit ihm ein Vaterunser. Er fühlt sich mit dem Leben wieder verbunden. Auch durch diese alten VaterunserWorte. Sie erinnern an jene Kraft, die uns überwinden hilft. Andreas hat es überwunden. Gelobt sei Gott!
(siehe Glaube und Heimat Nr. 210 / 2020)

Musik ("Er ist erstanden, Halleluja - du kannst es ja summen...)

Er ist erstanden, Halleluja! Ludger kommt mit Fieber ins Krankenhaus. Mit Luftnot auf die Intensivstation. Er schreibt: „Eines Morgens, halb im Schlaf, halb noch im Fieber, träume ich, dass mir der Atem stockt, dass er mir ausgeht, es nicht mehr weitergeht. Und keiner mich hört bei diesen letzten Versuchen. (…) „Hörst du mich?“, sende ich meiner Frau eine Nachricht aufs Handy. Ja, jemand hatte meinen stummen Schrei gehört. Weil die Blutgaswerte schlecht bleiben und ich in meiner Niedergeschlagenheit zwar noch atmen, aber nicht mehr kämpfen will, organisiert meine Frau ein Bündnis fürs Atmen. Unsere Familie, unsere Freunde, Kollegen und Nachbarn, alle, die sich in Anrufen, über SMS oder Whats-App nach meinem Zustand erkundigen, werden um ihr solidarisches Mitatmen gebeten: „Breathe in … breathe out!“ —„Atmet für Ludger!“ — Aus einer symbolischen Aktion erwächst ein gemeinsamer Atem, ein Rückenwind, der mich aus einem tagelang drohenden Stillstand ins Leben zurückträgt, mir den Willen zum Selberatmen wiederschenkt. Vielleicht ist dies die wichtigste, die nachhaltigste Erfahrung aus meinem Kampf gegen das Coronavirus: Du bist, wenn es ums Ganze geht, nicht allein. Wenn dir die Luft ausgeht, wirst du von anderen ins Leben hineingeatmet (…).“ 
Ist nicht für einen anderen atmen ähnlich wie für jemanden beten? Einatmen - ich denke an dich. Ausatmen - ich schicke dir Kraft. Einatmen - ich sorge mich um dich. Ausatmen - du bist nicht allein. Amen, Amen - meine Gedanken kommen zu Besuch bei dir. Amen - ich vertraue. Ich vertraue einfach. Ich versuche es. „Wenn dir die Luft ausgeht, wirst du von anderen ins Leben hineingeatmet…“ Er ist erstanden, Halleluja!
(siehe Frank. Rund.: „Atemzug um Atemzug“ am 16. Mai 2020)

Musik ("Er ist erstanden, Halleluja - du kannst es ja summen...)

Geh in dein Kämmerlein und bete zu Gott, der verborgen ist, sagt Jesus. Und Gott, der Verborgene, sieht all dein Verborgenes. Er sieht es sehr zärtlich an. Vorsichtig. Er weiß, was du brauchst. Er weiß es wirklich. Er sieht dich in deinem Kämmerlein am Abend, wenn der Geschirrspüler brummt, die Wäsche auf der Leine hängt, die Kinder schlafen und du endlich erschöpft ins Bett sinkst. Er sieht dich resigniert über seitenweise neuer Lebensbestimmungen, wenn du das Gefühl hast, einfach nicht mehr hinterher zu kommen. Er sieht dich auf deinem gemusterten Sofa, wo du alleine deine Tasse Kaffee trinkst und die Einsamkeit nach dir greift. Er sieht dich in deinem Kinderzimmer, mit Teddys und Matchboxautos redend, weil niemand da ist, mit dem du wie sonst in stillem Einvernehmen die Autos über den Teppich schieben könntest, stillglücklich. Er sieht dich, wie du morgens um 4.00 Uhr den Wecker ausdrückst und dein Kopf schon alle ungelösten Probleme des Tages in eine Reihe in deinen Gedankenflur gestellt hat, bevor du auch nur ein Bein aus dem Bett bekommen hast. Ich sehe dich zögernd auf das Vertraute da draußen vor deinem Fenster blicken, und wie Angst dir den Rücken hochkriecht und sich alles Vertraute plötzlich so unvertraut anfühlt. Ich weiß. Sagt Gott. Und doch ist dies noch die gute alte Welt. Meine Welt. Deine Welt.   „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ 

Öffne die Hände: 
dein Reich komme - atme ein, 
dein Wille geschehe - atme aus, 
denn dein ist die Kraft - atme in dein Herz.
Amen:  Dieses Gebet ist Atem von Gott für dich. 

Dieses Gebet ist Atem von Gott für dich. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.
Lasst uns das Gebet sprechen, das Jesus uns mitgegeben hat, unsere Hände zu öffnen: 






Seid herzlich gegrüßt! 




Beten - ist verbunden sein mit etwas Großem



Samstag, 29. Februar 2020

Predigt zu den 7 Bibeltexten der Fastenaktion
"Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus."


                                                                                                               (Bild Bieler Tageblatt, 3.7.2018)



Montag früh steige ich in den Zug.
Die ganzen schönen Pläne sind im Eimer.
Meine Pläne und ihre Pläne.
Die beiden wollten seit drei Tagen ihren Umzug vorbereiten, Schränke leeren und Kisten packen.
Es blieb kaum noch Zeit.
Nun liegt er krank und unfähig aufzustehen im Bett.
Uns bleiben keine 48 Stunden, die Möbel leer zu räumen
und nur eine Woche, die Wohnung zu räumen.

Und Jesus spricht zu dir:
Sorge dich nicht um das Leben. (Lukas 12)

Zwei Stunden später betrete ich die winzige Wohnung.
Sie ist zu gestellt mit ersten Kisten und bis an die Decke mit Büchern und Regalen. 
Er ist sehr krank geworden, sie muss ihn pflegen. 
Wer hätte auch weiterpacken sollen?
Es ist kaum Platz, um irgendwo zu stehen.
Wie das so ist, wenn man alles zusammenpackt
und die Wohnung viel zu klein ist.
Morgen Abend soll alles raus sein.
Zumindest ein großer Teil.
Und jetzt ist alles voll.
Kein Land in Sicht.
Unglaublich, 
dass wir beiden Frauen das schaffen sollen.
Dazwischen noch der hustend fiebernde Kranke.
Und Sorgen.
Auch kistenweise.
Unmöglichkeiten so weit das Auge reicht.
Und wir?
Erst hängen sie ganz schön an uns dran, 
diese SorgenKisten und Unmöglichkeiten. 
Und dann fangen wir einfach an.
Komm doch, bitte Gott, lass werden!

Da spricht Gott:
Fürchte dich nicht. Stehe fest und sieh zu, 
was für ein Heil der Herr an dir tun wird!“ (Exodus 14)

Zehn Tage später stehen wir mit krummen Rücken, 
müde und stolz in den leeren Zimmern und staunen. 
Keine Ahnung wie wir das geschafft haben
mit 200 km zwischen uns jeden Tag.
Das Unmögliche ist geworden.
Wir haben es ihm zugetraut, dass es werden könnte.
Sehr wage.
Eigentlich sogar total irre.
Nicht sicher.
Lediglich hoffnungsvoll.
Mit Zutrauen.
Und Hilfe kam. Und Kräfte kamen. Und Mut kam. 

Gott spricht:
Sollte mir etwas unmöglich sein? (Gen 18)

Menschen, die nur noch wage etwas wissen,
begegnen mir in letzter Zeit öfter.
Die lediglich etwas hoffen.
Wo die kleine Pflanze Hoffnung irgendwo unter der Kiste mit den Sorgen 
im Finstern stille und ungesehen bohrt.
Unmöglichkeiten aller Art scheinen sich bis zum Horizont zu erstrecken. 
Den Pinsel halten sie in der Hand.
Und tünchen.
Mit schwarzer Farbe.
Schwarzmaler.
Entmutigte.
Hilflose. Ängstliche.
Ihr Farbe kleckert überall hin.
Manchmal auch auf meine Gedanken.
Da kann man plötzlich selber schwarz sehen.

"Ich wartete auf das Gute und es kam das Böse; 
ich hoffte auf Licht und es kam Finsternis“, sagt Hiob, 
über dessen schweres Schicksal die Bibel erzählt, 
„Meine Haut ist schwarz geworden.“ (Hiob 30)

Und trotzdem wird dieser Hiob kein Schwarzseher.
Er sieht ganz klar alles Nichtgelingen.
Und seine Freunde diskutieren sich die Köpfe heiß über Schuld und über das Warum.
Über Nichtverstehen. Über Nichtakzeptieren. 
Über ihre Hilflosigkeit.Über Ohnmacht.
Und sie schütteln die Köpfe über Hiob.
Der zwar leidet an einem Gott, der so etwas zulässt
- und der dennoch trotzdem hofft.
Einfach weitermacht.
Mit hoffen und zutrauen.
Nicht aufhört.
So wie er mit atmen und leben nicht aufhört.
Der Gott nicht loslässt. Im hoffen und beten.
Vielleicht betete er wie wir mit den alten Psalmen:

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.
Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, 
dass ich gewiss nicht wanken werde. (Ps 62)

Der Hannoversche Bischof besuchte vor einiger Zeit Christen in Syrien. 
Mitten im Krieg. Mitten in den Trümmern. Mitten in aller Zerstörung. 
Mitten in dem klaren Beweis, das Gott ihre Gebete wohl nicht gehört hatte. 
Ihre Gebete und ihre Bitten, ihr Schreien. 

Gott sagt: 
Wer mich bittet, der empfängt 
und wer bei mir anklopft, dem wird aufgetan. (Mt 7)

Die syrischen Christen saßen zusammen und beteten und lasen in der Bibel, 
wenn sie noch eine hatten, aber vor allem kümmerten sie sich umeinander 
und sie erschienen dem deutschen Bischof unerklärlich stark hoffnungsvoll. 
Befragt wie sie trotz all dessen so voll Hoffnung seien, waren sie erstaunt. 
Wer wenn nicht wir Christen?, sagten sie erstaunt. 
Wir haben doch die Botschaft der Zuversicht. 
Dem Bischof standen die Tränen in den Augen angesichts dieser Hoffnung, 
dieses Vertrauens. 
Diese Menschen hätten allen Grund gehabt, 
jede Sekunde ihres Dasein schwarz zu malen. 
Sie taten es nicht. 
Aus einer tiefen Hoffnung heraus.

Diese Hoffnung auf eine unsichtbare Zukunft 
auf eine Welt, die besser wird,
auf Verzeihen und Umkehr, auf Trost und Heilung,
auf Liebe, die alles überwindet,
die nehmt heute mit.

Was ist Hoffnung auf etwas, das man schon sieht?
Wenn du auf etwas hoffst, das du noch nicht siehst, 
musst du nur mit Geduld und Zuversicht darauf warten.
Der Heilige Geist hilft dir in deiner Schwäche. 
Denn manchmal weißt  du ja nicht einmal, worum oder wie du beten sollst. 
Doch der Heilige Geist betet für dich mit einem Seufzen, 
das sich nicht in Worte fassen lässt.
Und der Vater, der alle Herzen kennt, weiß, was der Geist sagt, 
denn der Geist bittet für dich, weil du zu Gott gehörst. (Röm 8)

Du hast mehr Hoffnung als du ahnst
Du bist mutiger als du glaubst
stärker als du scheinst
klüger als du denkst
wertvoller als du meinst
geliebt und gehalten
du bist getauft mit Zuversicht. 
du bist Wort des lebendigen Gottes.
Amen.


Und der Friede Gott, der höher ist als unsere Vernunft, 
der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe. Amen


und noch ein Lied für dich:

... passt auf Eure Liebe auf...

  Predigt am 19. Juli in Stendal Predigttext Hebräerbrief 13, 1-3: Hört nicht auf, einander als Brüder und Schwestern zu lieben.  Vergesst ...