Predigt zu Pfingsten
Atme in uns, Heiliger Geist,
brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist,
Atem Gottes, komm!
Komm, du Geist, durch dringe uns,
komm, du Geist, kehr bei uns ein.
Komm, du Geist,belebe uns,
wir ersehnen dich.
Komm, du Geist der Heiligkeit,
komm, du Geist der Wahrheit.
Komm, du Geist der Liebe,
wir ersehnen dich.
Komm, du Geist, mach du uns eins,
komm, du Geist, erfülle uns.
Komm, du Geist, und schaff uns neu,
wir ersehnen dich.
Atme in uns, Heiliger Geist,
brenne in uns, Heiliger Geist,
wirke in uns, Heiliger Geist,
Atem Gottes, komm!
Manchmal ist kein Lebensgeist mehr drin. Überhaupt keiner.Gefühlt zumindest. Manchmal ist die Welt ein Totenfeld.1. Siehst du das Totenfeld?Was für ein Totenfeld!!Kannst Du es auch sehen?Ariane steht vor den Überresten ihrer Gesundheit.Jürgen vor dem Ende seiner Ehe.Sine und Felix schauen auf ihre angeklebten Hände auf dem Asphaltund sehen vor ihren inneren Augen Fakten um Fakten,bedrohlich sie erdrückend und einen ächzenden Planeten.Jens steht vor den letzten Gebeinen seiner Freundschaftmit Cornelia und Günther, die finden, er sei jetzt rechts.Wolfgang steht am Grab seiner Frau, die ihn verlassen hat,bevor sie den Lebensabend zusammen gestalten konnten.Gabriele steht vor dem zerbrochenen Idealihres politischen Engagements für ihr Dorf,für das ihr gerade jemand die Fenster eingeschmissen hatJuri sieht auf dem Handy die toten Kameraden an der Front,während er hier um die Ecke im Krankenhaus liegt.Dani steht vor dem letzten Rest ihrer Kraft und leider auch des Geldes,lang vor dem Ende des Monats für sie und ihre Kinder.Manuela sieht enttäuscht auf ein totes Gemeindeleben.Lissy schaut auf die Umrisse der toten Buchstaben der Hasskommentareunter einem Bild von ihr im Internet.Martin sieht nur noch die vielen dienstlichen Daten in seinem Kalenderwie tote Gerippe der Zeit, dazwischen kein eigenes Leben mehr.Ein riesiges Totenfeld.Nur gefühlt?In Echt?Ein Totenfeldist das, was wir sehen.Realität, weil wir es so wahrnehmen und auch fühlen.Und weil manche absichtlich solche Bilder verstärken.Es ist ein Totenfeld für die Hoffnung und die Zuversicht,das Selbstvertrauen und die Freiheit.Sich selbst und dem Leben verloren Gegangenesoder verloren Gegebenes.Ein Bild, das unsere Zeit gerade pflegt.2. Was die Bibel sagt…Heute hören wir aus den Erinnerungen des Propheten Ezechiel.Gott hat oft in solchen Bildern zu ihm gesprochen.Er erlebt in so einem Bild, was der Lebensgeist Gottes bewirken kann.Und Gott gab ihm dieses Bild,auf dass Du Hoffnung haben kannst für alle Totenfelder und Dein Leben.Ezechiel erzählt:Eines Tages spürte ich mal wieder, wie Gott seine Hand auf mich legte.Ich sah mich durch die Luft auf eine Ebene zukommen.Als ich nahe genug heran gekommen war, sah ich,dass der ganze Boden mit ausgetrockneten Knochen bedeckt war.Ich sollte mir alles gut ansehen. Gott führte mich herum.Kein schöne Anblick. Nur Tod.„Was meinst Du“, fragte er plötzlich,„…ob diese Knochen wieder lebendig werden könnten?“Sie sahen nicht danach aus. Aber ich antwortete: „Das kannst nur Du wissen!“„Ich bitte dich,“, sagte Gott, „sprich mit ihnen! Mit diesen toten Gebeinen.Sag: ‚Hört, was Gott sagt! Gott-voller-Kraft spricht zu Euch!Passt auf was passiert! Ich bringe wieder Lebensgeist in Euchund mache Euch wieder lebendig! Eure Körper werden wieder richtig hergestelltund ihr bekommt meine Ruach-Geistkraft. Ihr sollt merken, dass ich Gott bin.’- Dann habe ich das getan.“, erzählt Ezechiel. „Und als ich noch zu ihnen sprach,kam Bewegung auf, regte sich Leben und die zerschlagenen Gebeine rücktenwieder zueinander, dass sie wieder ganz zusammen passten.Sie bekamen wieder Farbe und Kraft und eine Haut zum Berühren.Aber lebendig waren sie nur äußerlich.“Gott sagte: „Jetzt musst Du noch Ruach-Geistkraft ansprechenund sie bitten aus allen Enden der Welt zu kommenund Leben in diese tot Gewordenen zu bringen.“Ich tat auch das. Und wirklich. Sie wurden auch innerlich lebendig und lebensvoll.Und sie standen wieder auf.Damit war das Bild zu Ende.Aber Gott sprach noch weiter. „Es geht um meine Menschen.“,sagte Gott. „Hörst Du, wie sie immer klagen:‚Alles ist nur noch schwer. Wir sind ausgetrocknet,unsere Hoffnung ging verloren,wir sehen keine Zukunft und kein Morgen mehr.’ ....?Sie brauchen dich als Prophet. Sie brauchen Worte der Hoffnung.Dass du sie erinnerst und ihnen sagst, dass ich selbst Gräber öffnen kannund Tote lebendig und Menschen wieder heimisch werden lassen kann.Sag ihnen: 'Ihr werdet Gott in eurem Leben spüren.Ich gebe euch täglich meinen Geist in euren Sinn,in eure Gedanken und in euer Gegenüber, in das, was euch umgibt.Ihr sollt merken, dass meine Versprechungen nicht leer sindund dass ich Gott-für-euch bin.“3. Was Gott tun kann…Ich höre aus diesen Worten:Gott findet es nicht sinnlos, über Totenfelder neue Hoffnung auszusprechen.Totenfelder können Gott hören, auch wenn sie toter als tot sind.Gott hat einen Geist, der von innen lebendig machen kann.Gott kann das zusammensetzen, was da zerbrochen ist.Kann er.Und wir würden es spüren.Und zwar, weil er sich aufteilen kann,weil sein Geist in Dir atmen kann und unendlich teilbar istund unsagbar genau passend für Dich.Jedes Gebein, das auf eine andere Weise zerbrochen ist,richtet er auf irgendeine Weise.Es ist nicht gesagt, dass es hernach die selbe Form hat.Aber eine lebendige Form.Gott selbst sorgt dafür, dass einer es aussprechen wird,dass einer zum Propheten, eine zur Prophetin wird,so dass Du es hören könntest.Denn Ruach-Geistkraft hört offensichtlich, wenn man nach ihr ruft.Und Gott weiß, dass Dein Herz seine Hoffnungsbilder braucht.So funktioniert Glaube...Aus dem vertrockneten Gebein heraus ein Gegenbild gesagt bekommenund die Kraft, daran festzuhalten mit allen Sinnen.Es dauert manchmal...Bis die Hoffnung wieder gewachsen ist.Bis Sehnen der Stabilität und endlich wieder Beweglichkeitund das Fleisch des Glaubenkönnens und des Hoffenbleibensund die dünne Haut der Leichtigkeit gewachsen sind.Und dann, selbst dann, braucht es noch die wärmende Kraft,innen nicht alleine zu sein und das Wissen, dass es Gott wirklich gibt.Es braucht noch das Fasziengewebe der Glaubenszuversichtund nährende Freiheit.Und das in einem Körper, der sich bewegen muss,damit er nicht wieder steif wird.Aber Bewegen muss ja nicht immer Bergsteigen sein.Auch Tanzen ist Bewegen und Herzen und Miteinandergehen.4. Was soll das jetzt heißen?Ariane und Jürgen, Sine und Felix, Jens, Cornelia und Günther,Wolfgang, Gabriele, Juri, Dani, Manuela, Lissy, Martin,Dir und mirhelfen keine leeren Worte.Totenfelder brauchen Kümmerer.Womöglich braucht es jemanden, der nicht aufhört,Bilder Gottes über vermeintliche Totenfelder zu malen.Mit Geschichten, die wir uns erzählenoder Liedern, die wir lauthals singenoder wortwörtlichem spürbarem Festhalten.Womöglich braucht es meinen Glauben an die Kraft von guten Worten,an die Wirksamkeit von einem Gebetund den Sinn von Gemeinschaft.Womöglich möchte mein religiöser unsichtbarer Mensch in mir Bewegungund dass ich manchmal aufstehe für andere.Es braucht Hoffnungsträger*innen.Am-Glauben-trotzig-Festhalter*innen.Welche, die sagen: Dein Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.Es braucht uns,die wir die Welt nicht für ein Totenfeld halten,sondern für einen Ort,wo Gottes Reich schon begonnen hat.Amen.Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft,der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung großund stärke unsre Liebe. Amen.
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