Sonntag, 15. Juli 2018

Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis
auf der Cyriaksruine

Trotzdem! - Predigt zu Phillipper 2,1-4

Lektor (aus den "Off"):
Ist nun bei euch Ermahnung in Christus,
ist Trost der Liebe,
ist Gemeinschaft des Geistes,
ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit,
so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid,
gleiche Liebe habt,
einmütig und einträchtig seid.
Tut nichts aus Eigennutz
oder um eitler Ehre willen,
sondern in Demut
achte einer den andern höher als sich selbst,
und ein jeder sehe nicht
auf das Seine,
sondern auch auf das,
was dem andern dient.
Predigerin:
Fünf Brote
Zwei Fische
5000 Leute.
Da würde ich erstmal beten.
Fünf Brote
Zwei Fische
5000 Leute.
Trotzdem!
Trotzdem hat er sie eingeladen.
Trotzdem wurden sie satt.
Wie im Psalm ist das:
„Du deckst mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde
und schenkst mir voll ein.“
Gott kann einen Tisch decken mit Nichts,
sagt der Psalm,
er deckt den Tisch im Angesicht von lauter Unmöglichkeiten, im Blick darauf, dass nichts mehr geht.
Trotzdem!
Lektor:
Trotzdem! Ist nun bei euch Ermahnung in Christus,
Trotzdem ist Trost der Liebe,
ist Gemeinschaft des Geistes,
ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit.
Predigerin:
Einer deckt den Tisch.
Er heißt Michel,
Michel aus Lönneberga.
Er ist ein ganz kleiner Junge
und kommt vom Katthult-Hof.
In Lönneberga gibt es ein Armenhaus.
Es ist grauenvoll, dort leben zu müssen,
aber ein besserer Ort als auf der Straße,
vor allem im Winter.
Lauter sehr arme alte Leute wohnen dort.
Die Menschen aus Lönneberga bringen ihnen Gaben vorbei.
Auch Michel.
Kurz vor Weihnachten bringt er einen riesigen Korb mit guten Würsten in das Armenhaus.
Doch die kommen nie bei den armen Alten an.
Die Wärterin des Hauses, die Kommandora,
isst sie alleine auf.
Michael ist empört über diese Ungerechtigkeit.
Und da deckt dieser winzig kleine Junge den Tisch
für die ganzen alten Menschen aus dem Armenhaus.
Bei sich zu Hause.
Er deckt den Tisch mit dem Besten, was die Speisekammer der Eltern zu bieten hat. Die ist voll bis obenhin - für die eigene Familie, die noch zu Besuch kommen will.
„Die sind schon so dick, die brauchen kein Essen mehr,
es ist besser, wenn solche Leute zu Essen bekommen,
die wirklich Hunger leiden!“, sagt er.
Die Alten tun ihm leid.
Und die Alten essen und schlingen, sie prassen nach Herzenslust. Sie singen und tanzen. 
Sie sind glücklich für diese eine Nacht.
Einer von ihnen steht auf,
ein alter wackliger weißhaariger Mann
und sagt laut mit Tränen in den Augen:
„Seht.
Da ist Glückseligkeit und Freude ohne Grenzen,
wir danken dir, o Herr!“
Am Ende des Tages sagen die Armen:
„Jetzt haben wir den Speisen den Garaus gemacht!“.
Von da an nannte man dieses Ereignis
„Das große Garausmachen“.
Die armen Alten waren so vollgefuttert, dass Alfred, der Knecht, den großen Holzschlitten nehmen musste und sie alle zusammen unter großem Gejohle den Berg hinab fuhr nach Hause.
Und obwohl Michel Ärger bekommen würde und obwohl er viel zu klein war, um das alles zu machen, hat er es getan.
Trotzdem!
Lektor:
macht, dass ihr TROTZDEM eines Sinnes seid,
gleiche Liebe habt,
einmütig und einträchtig seid.
Tut nichts aus Eigennutz
oder um eitler Ehre willen,
sondern in Demut
achte einer den andern höher als sich selbst,
und ein jeder sehe nicht
auf das Seine,
sondern auch auf das,
was dem andern dient. Trotzdem!
Predigerin:
Viele decken den Tisch,
öffnen ihr Herz:
Ein kleines Dorf
in den französischen Voralpen.
3000 Einwohner.
Sie alle zusammen versteckten 1500 jüdische Menschen.
Kein einziger wird verraten.
Keiner stirbt.
3000 Einwohner.
1500 jüdische Menschen.
Die Gemeinde-Sekretärin Jeanne Barnier, 25 Jahre alt,
stellt 1000 falsche Ausweise aus,
170 km entfernt von Lyon und dem SS-Gefängnis,
das ihr gedroht hätte.
Sie ist nur Eine von Vielen in diesem Dorf.
Sie bekam vom jüdischen Volk den Titel:
“Gerechte unter den Völkern“
verliehen.
Der Ort, in dem dies vor 75 Jahren passierte, heißt:
Dieulefit.
Übersetzt heißt er: „Gott hat es gemacht.“ Dieu lé fit.
Was hätte den Menschen aus Dieulefit passieren können.
Was haben sie riskiert. Auf was haben sie alles verzichtet.
Sie taten es trotzdem!
Lektor:
In aller Ermahnung in Christus,
im Trost der Liebe,
in der Gemeinschaft des Geistes,
in der herzlichen Liebe
und in der Barmherzigkeit.
ist viel „Trotzdem.“
Predigerin:
Ich kennen so viele, die etwas trotzdem tun:
Eine Freundin mit transplantierter Lunge:
sie spielt trotzdem Trompete!
Ich kenne eine, die hätten die Klavierlehrer sicher beinahe
weggeschickt - viel zu zarte Hände. Und nun zaubert sie Musik die das Herz berührt - einfach trotzdem.
Ich kenne ein kleines Mädchen in meiner Gemeinde,
die kann kaum sprechen und laufen
und trotzdem hat sie neulich vorne in der Kirche
das Vaterunser für uns alle gesproch.
Ich kenne eine Gemeinde, die hat ganz irrwitzig eine Orgel gebaut in einer Größenordnung und Schönheit, die viele für unmöglich hielten. Sie habens einfach trotzdem gemacht.
Ich kennen hier kleine Gemeinden, die nun eine große Gemeinde sein sollen und das wird nicht einfach, aber sie versuchen es beherzt - trotzdem.
Und vielleicht gab es manchen, der heute gar nicht herkommen wollte oder dem beinahe die Kraft nicht reichte heute und kam trotzdem.
Ich glaube
in diesen "Trotzdem´s"
steckt ganz viel von Gott.
Lektor:
In aller Ermahnung in Christus,
im Trost der Liebe,
in der Gemeinschaft des Geistes,
in der herzlichen Liebe
und in der Barmherzigkeit.
ist viel „Trotzdem.“
Predigerin:
Trotzdem
und bei allem
was ihr sonst erlebt,
was euch entmutigt,
frustriert,
Angst macht,
müde macht,
wütend macht,
und auch wenn ihr
keine Möglichkeit mehr seht,
eine Wende für undenkbar haltet,
keinen winzigen Schein mehr in der Tür seht,
wenn ihr Härte erlebt und Gleichgültigkeit:
Habt trotzdem Liebe und Trost und Gemeinschaft!
Sie sind das Haus,
in dem ihr bleiben könnt immerdar.
Wo Gott Tische deckt,
mit
dem was Gemeinschaft stärkt und
mit dem was Mut macht
- kopfschüttelnd tut Gott dies vielleicht
und manchmal auch traurig
über all die Unordnung
auf der Welt
die er aushalten muss.
Habt Liebe und Trost und Gemeinschaft!
Vielleicht auch ein wenig Verwegenheit und Trotz.
Sie sind das Haus,
in dem ihr bleiben könnt immerdar.
Wo Gott ist,
der immer wieder blecheweise Kuchen
in den Ofen stecken würde
und alle Tassen suchen, die er hat
und schonmal die Sahne schlagen,
selbst, wenn alle gerade den größten Streit
der Weltgeschichte vom Zaun brechen würden.
Damit, die bei ihm an einem Tisch sitzen
- im Angesicht aller Dinge, die sie für unmöglich halten -
auch am Tisch sitzen im Angesicht
all der anderen.
An einem Tisch behält man einander im Blick. 
An diesem guten Tisch gesättigt zu werden: bei Gott,
mit Kraft für Leib und Seele und für das nächste Trotzdem,
ist das eine.
Das andere ist,
selber Tische zu decken,
sehen was dem anderen dient.
Einer hat es vorgemacht
5000 Leute und mehr gespeist
mit fast nichts.
Darum auch ihr:
deckt Tische
öffnet die Herzen,
sodass Menschen in ihrem Leben sagen können:
„Seht da ist Glückseligkeit und Freude ohne Grenzen,
wir danken dir o Herr!“ - das hat Gott gemacht.
Lasst euch empören von Ungerechtigkeit.
Versucht das Unmögliche,
steckt einen Kuchen in den Ofen und sucht alle Tassen,
gerade wenn es kracht.
Werdet Gerechte!
Trotzdem. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.
(Gott und der Apfelkuchen von Susanne Niemeyer sind in dieser Predigt zu Gast.)


Dienstag, 10. Juli 2018

  Kopfsteinpflaster mit Schattenflecken 
 Sand im Bett und salzige Haare
 Seen im Abendlicht spiegelglatt unter deinen Armen
 Lieder von vorzeiten auf den Lippen
 Regen wie eine Zeltwand vor deiner Haut
 Melonenschnitze taschenmesserklein
 Feldblumensträuße unbezahlbar wie diese
 Tage mit Nichts
 Anarchie der Zeit
 nicht mal Gewohnheiten
 trotzdem

 näher zu dir


Der Sommer
hat Tage 
wie eine Kinderzeichnung

Sonnenbalken in der Luft
dass man darauf balancieren kann 

losgelöste Figuren
ohne Schwere

die einfachste Form der Dinge 

und 
viel

Farbe





(Bild: Knetfeder.de)

Freitag, 6. Juli 2018




Sie hatten sich vorgestellt, 
dass sie laut und zuversichtlich singen würden.
An seinem Grab.
Nach allen Verabschiedungen
würden sie laut und zuversichtlich singen:
„Christ ist erstanden“.

Aber 
wo sein Sarg so deutlich mit seinem Körper in die Tiefe sank,
und sie nasse Gesichter bekamen von den Tränen,
da waren ihre Stimmen zerbrochen.
Und wie sie auch Luft holten,
kamen nur hauchende Töne,
ganz leise, kaum zu hören,
dazwischen ein lauter, trotzig hervorgepresst
und unhörbare - im zugeschnürten Hals.
Der Schmerz raubte sich einfach die Töne.

Dann aber,
weil so viele sangen,
wurde es zusammen genommen
aus allen 
unhörbaren und leisen und einzelnen trotzigen Tönen
ein fester Gesang.

Und 
neben allen Worten an diesem Tag
waren sie ihm 
in diesem Moment 
am nächsten.
Als er mit dem Sarg 
die Erde berührte
und sie 
mit Köpfen und Sinnen 

den Himmel.

Dienstag, 3. Juli 2018

der Tau schläft noch auf den Blüten
die Füße regen sich träge
der Funke zündet gleich den Herd
am Horizont flimmert es beinahe schon
die Hand geht langsam zu Klinke
das Herz nimmt zaghaft Anlauf
das Wort liegt schon auf der Zunge

der Moment vor dem Anfang

- HerrgottsFrühe




Samstag, 30. Juni 2018

Predigt für den 5. Sonntag nach Trinitatis


Ich stehe vor einem Regal mit Postkarten.
Ein guter Freund hat eine schwere Zeit vor sich
und ich will ihm gerne ein gutes Bild schicken
und ein paar herzliche Worte schreiben.
Ich suche ein Bild zum Auftanken, zum Hoffnung schöpfen, ein Bild mit Geborgenheit, mit Perspektive, mit Segen.
Bilder sagen manchmal mehr als Worte.
Vor mir ist eine Wand voller Karten 
mit biblischen Motiven:
Jesus und Johannes, 
Maria und Eva,
Gott der Schöpfer, 
Gott der Hl. Geist.
Bilder vom Abendmahl und Brotbrechen,
vom Fischfang und einer Krankenheilung.

Eine Karte zieht immer wieder meinen Blick auf sich.
Ich versuche sie zu ignorieren, aber es gelingt mir nicht.
Schließlich greife ich nach ihr.
Es ist eine sehr sehr unscheinbare Karte.
Nicht sehr farbenfroh, nicht gleich ansprechend. 
Ich erkenne auch gar nicht, wer abgebildet ist. 
Irgendein Mann und ein Himmel mit einer Hand. 
Die Zeichnung ist uralt.
Aus dem 6. Jahrhundert - steht auf der Rückseite.
Demnach ist dies eine der ältesten Bibelillustrationen,
gefunden im heutige Syrien,
nicht weit von Haran, wo Abram sich auf dem Weg machte.
Gemalt auf purpur gefärbtem Pergament. 
Purpur, wie die Kleider des Kaisers.
Darauf geschrieben die ersten Worte der Bibel:
Von Licht, Gott, Erschaffung,
Menschenliebe und Menschenstreit.
Und von Abrams Segen.
Und unter den sorgfältig gepinselten 
alten griechischen Worten
finden sich erste Bilder zu den Geschichten der Bibel.
Ich halte daraus ein Bild von Abram in der Hand.
Zuerst sieht man rotbraun vergilbtes Purpur.
Fast das ganze Bild ist eigentlich nur dieses purpur.
Viel ist nicht drauf.
Links ist eine helle Tür.
Abram ist gerade ins Purpur getreten
- grauhaarig, barfüßig, 
im grauen Gewand.
Die Tür steht noch offen.
Er schaut wie einer, 
der gerade überraschend Besuch bekommen hat
und nicht so recht weiß, 
was er mit dem anfangen soll.
Er schaut wie einer, der nur kurz vor die Tür wollte
und nun aber vielleicht nie wieder zurück geht.
Über Abram wölbt sich noch eine Art Himmelshängematte,
blau mit goldenen Sternen. 
Und außer der Tür und Abram und der Hängematte
und dem vielen Rotbraun gibt es da noch eine Hand.
Sie kommt aus dem Himmel.
Ich weiß nicht genau:
zeigt sie nach vorne?
segnet sie?
winkt sie?
hält sie sich schützend über Abram?
Und Abram nimmt sein Gewand wie eine Schürze
und hält es hin wie das Sternentalerkind.
Als würde gleich was vom Himmel fallen, so steht er da.
Sehr ernsthaft.
Die Hand und den Himmel über sich, die offene Tür hinter sich, die Hände offen.
Und Gott sagt zu ihm: Geh aus deinem Vaterland!
Geh weg von denen, du du lieb hast.
Geh weg aus deinem Haus. Ich zeig dir was!
Ich segne dich. Ich gebe dir neue Namen. 
Du wirst Segen sein.

Und mein Freund,
dem ich diese Karte dann wirklich schickte,
musste sein Heim verlassen, die Gemütlichkeit,
das Eingerichtetsein, die Gewohnheiten,
das Hängen am Leben.
Er musste das aufgeben, unerwartet,
und wurde sehr krank.
Später schrieb er mir, dass das kein Zufall war
mit der Karte vom Abram.
Denn schon immer ist dieser Abram / Abraham
mit seinen Geschichten in seinem Leben gewesen.
Immer dann, wenn es besonders wurde.
In Aufbrüchen.
Brüchen.
Wo er Vaterland,Familienland, Heimatland verlassen hatte,
Lieblingsland, Kindheitsland, Liebesland, sicheres Land.
Da begegnete ihm „zufällig“ Abraham.
Und da sind viel mehr als nur mein Freund Roland.
Die verlassen täglich ihr Land.
Müssen durch neue Türen,
durch ungewohnte,
schauen erstaunt,
was sie wohl anfangen sollen mit dem Neuen.
Immer wieder ist das so.
So gehen Lebenslinien.

Solche Lebenslinien kenne ich, sagt Oma Gustl,
Aufbrüche und Flucht,
wir haben damals eine neue Heimat gefunden.
Und Peter von neben an sagt,
Flucht kenne ich auch,
meine Flucht führte in den Alkohol,
aber ich fand den Ausgang.
Karin meint: 
Mein Aufbruch ist der ins Alt-werden.
Durch diese Tür muss ich durch.
So sind Lebenslinien.

Lifeline - Lebenslinie
 - so heißt ein Boot im Mittelmeer.
Auf ihm haben sich die Lebenslinien vieler 
verzweifelter Menschen getroffen.
Lauter einzelne Menschen, 
die ihr Vaterland verlassen hatten,
auf der Suche nach einem Leben für sich.
Auf dem Boot waren die Lebenslinien dieser vielen Menschen aufeinander gestoßen 
und  in Seenot in eine fast größere Not geraten:
In die Gleichgültigkeit.
Die 233 Geretteten 
auf dem Schiff mit dem Namen Lebenslinie hatten Glück.
Sie fanden einen Hafen in Malta.
Sie fanden eine offene Tür.
Der Himmel hat seine Matte über sie gespannt
und die Hand hatte sie unsichtbar behütet.
Sie hatten Glück. Sie konnten an Land.
Neues Land für sie.

Mein Freund Roland,
der noch vor Wochen das Bild vom Abram in den Händen hielt, der hatte auch Glück.
Sein Lebensschiff hat auch in einem Hafen angelegt,
über ihm die Himmelshängematte
und die Hand. Einladend.
Er ist mit seinem Boot hinübergesegelt
ans äußerste Meer.
Morgen werden wir seine leibliche Hülle 
in Gottes Erde betten.
Er hat sein Vaterland verlassen
wagemutig
und kommt ins Gottesland.
Die Lieben, die er zurücklässt, 
die müssen nun auch aufbrechen,
wenig glücklich,
in eine Land ohne ihn. 
Aber er hat es ihnen vorgelebt.
Die tiefe Zuversicht.
Dass in allen Brüchen und Aufbrüchen
wie bei Abram
Segen sein wird.
Und immer
Gott.

Und Gott sagt zu ihm: Geh aus deinem Vaterland!
Geh weg von denen, du du lieb hast.
Geh weg aus deinem Haus. Ich zeig dir was!
Ich segne dich. Ich gebe dir neue Namen. 
Du wirst Segen sein.

Und heute, 
einen Tag vor seiner Beisetzung,
da ist uns die Geschichte von Abram
als Predigttext gegeben.
Ich glaube nicht an Zufälle.
Ich glaube an die Treue Gottes.
Dass wir Glück haben mit ihm.
Dass wir Häfen finden werden und offene Türen.
Der Himmel hat seine Matte über uns gespannt
und die Hand uns behütet. Unsichtbar.
Wir haben Glück. Wir können an Land.
Neues Land für uns.
„Ich segne dich, sagt dir Gott. 
Ich gebe dir neue Namen. 
Du wirst Segen sein.“ Amen


Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Samstag, 23. Juni 2018

Predigt zum Johannistag, 24. Juni 2018

(Wendepunkte)
In der jordanischen Stadt Madaba gibt es in einer Kirche ein frühchristliches Bodenmosaik, das eine Landkarte des Heiligen Landes zeigt. Auf dieser Landkarte schwimmen Fische im Jordan, bis sie zur Mündung ins Tote Meer kommen. Wenn sie das tödliche salzige Wasser schmecken, drehen sie um, um nicht zu sterben. Genau an dieser Stelle des Jordans hat sich Jesus von Johannes taufen lassen. Ein Wendepunkt.

Die letzten Tage wurden lang und länger. 
Die Wiesen wurden hoch und  höher. 
Bis zum Johannistag. Heute ist Johannistag. 
Nun werden die Tage kürzer. 
Es ist Halbzeit bis zum Fest der Ankunft Gottes an Heiligabend. Ab jetzt wird es stückchenweise früher dunkel. 
Die Pflanzen wachsen mehr in die Frucht als in die Höhe. 
Es ist das Jahr, die Natur, das Leben, das abnimmt. 
Ein Wendpunkt.

Taufe. Wachsen. Abnehmen. 
Johannistag. 
24. Juni. 
Ein Wendepunkt.  

Heißt das Christsein nicht 
genau das
von Wendepunkten wissen
an Wendepunkte glauben
in Wendepunkten neues Leben finden? 

(Niederlage und Rettung)
Bitte „wenden“!
- sagt das Navi 
und ich seufze,
denn ich wende nicht gerne.
Erst muss man sich ja durchringen,
wirklich wenden zu wollen.
Man muss erstmal glauben, dass es hier nicht weiter geht.
Und man muss sich entscheiden, es nicht weiter zu versuchen.
Vielleicht mag man gar nicht zugeben, dass man falsch ist.
Vielleicht tut es einem so leid um die verfahrene Zeit.
Vielleicht will man vor den anderen das Gesicht wahren.
Und dann muss man erstmal schauen, wo man anhalten kann.
Vielleicht hält man den ganzen Verkehr auf.
Vielleicht gibt es einen Graben, auf den man achten muss.
Vielleicht darf man gar nicht abbiegen.
Vielleicht muss man ein Stück des Weges zurück fahren.
Vielleicht weiß man nicht mehr, 
als dass es hier nicht weiter geht 
und weiß den richtigen Weg noch nicht.
Bitte wenden!
Ein Wendepunkt ist manchmal eine Niederlage.

Bitte wende es!
So betet Anneliese.
Das Fieber geht nicht weg.
Die Wunde ist entzündet.
Sie hat Schmerzen. 
Sie wird immer schwächer.
Sie kann nicht mehr liegen.
Vielleicht wird es ja noch schlimmer.
Sie will nicht sterben.
Vielleicht haben die Ärzte ja recht.
Und es wird wieder gut.
Vielleicht haben aber auch nicht recht.
Und alles wird schlimmer.
Wer weiß das schon.
Vielleicht steckt da noch was ganz anderes dahinter.
Bitte wende es!
So betet Anneliese.
Und als hätte er es gehört,
geht es ihr am nächsten Tag schon besser.
Nicht viel besser.
Aber ein Hoffnungsflimmern ist in ihr.
Ein Ankündiger für das Bessere, das noch kommt, nur fühlbar.
Sie ist über den Berg.
Bitte wende es!
Ein Wendepunkt ist manchmal die Rettung.

(Wende als Prinzip)
„Klar zu Wende“ ruft man auf einem Boot.
Haben sie schonmal versucht, ein Boot
mitten in der Fahrt zu wenden?
Ist kaum möglich.
Mit einer Ausnahme.
Es hat ein Segel.
Für das Segelschiff ist es ein Prinzip
zu wenden.
Es kreuzt. 
Es kommt nur voran, in dem es Wenden fährt.
Es kann gut umgehen mit Gegenwind.
Es wendet ihn an
- für sich selbst.
Das Segelschiff holt beim Wendepunkt Schwung.
Er ist nicht Rettung, nicht Niederlage.
Er ist Vorwärtskommen.
Da macht es gar nichts, wenn ihm der Wind entgegen bläst.
Im Gegenteil.

Wenden bringt uns vorwärts.

Die Fische im Jordan
in dem Johannes Jesus taufte, 
die bis zur Einmündung 
in das Tote Meer schwimmen, 
und dann schnell umdrehen,
die müssen fortan gegen den Strom schwimmen.

Johannes war auch so einer, der gegen den Strom war.
Er predigte Umkehr vom jetzigen Leben.
Er lebte wie niemand sonst lebte.
Er hatte sogar einen Namen, 
den niemand sonst in seiner Familie hatte.
Ein Engel hatte die Eltern bewegt
mutig diesen Namen zu wählen.

Wenden bringt uns machmal auch gegen die Strömung.

(Geborgen in den Wendepunkten)
Unser Segel-Boot,
in dem wir sitzen,
jeder für sich,
das Boot, das uns durch das Lebensmeer trägt
seit unserer Geburt
- mit allen auch heftigsten Wendepunkte -
ist Gottes Versprechen. 
Wir sind geborgen
in seinem Versprechen
vom neuen Leben in ihm:
__________
Lesung Predigttext 1. Petrus 1, 3-9:

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neu geboren2 und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist.3 
4 Sie richtet sich auf das neue Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für euch bereithält als einen Besitz, der niemals vergeht oder verdirbt oder aufgezehrt wird. 
5 Wenn ihr Gott fest vertraut, wird er euch durch seine Macht bewahren, sodass ihr die volle Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbar wird. 
6 Deshalb seid ihr voll Freude, auch wenn ihr jetzt – wenn Gott es so will – für kurze Zeit leiden müsst und auf die verschiedensten Proben gestellt werdet. 
7 Das geschieht nur, damit euer Glaube sich bewähren kann, als festes Vertrauen auf das, was Gott euch geschenkt und noch versprochen hat.4 Wie das vergängliche Gold im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird, so wird euer Glaube, der viel kostbarer ist als Gold, im Feuer des Leidens geprüft. Wenn er sich als echt erweist, wird Gott euch mit Ehre und Herrlichkeit belohnen an dem Tag, an dem Jesus Christus sich in seiner Herrlichkeit offenbart. 
8 Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Auf ihn setzt ihr euer Vertrauen, obwohl ihr ihn jetzt noch nicht sehen könnt. Und darum jubelt ihr mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. 
9 Denn ihr wisst, dass euer Vertrauen, euer Glaube, euch die endgültige Rettung bringen wird.

________________________
Unser Boot,
in dem wir sitzen,
das uns durch das Lebensmeer trägt
- mit allen auch heftigsten Wendepunkte -
ist Gottes Versprechen. 
Wir sind geborgen
in seinem Versprechen
wie in einem Boot.

Christsein heißt dann konkret: 
von Wendepunkten wissen - und nicht an die Sinnlosigkeit glauben, nur weil sich die Dinge wenden.
Christsein heißt dann konkret:
an Wendepunkte glauben - und nicht, dass alles den Berg hinunter geht.
Christsein heißt dann konkret:
in Wendepunkten neues Leben finden, neue Wege - und zu glauben, Gott hält sie für uns bereit. 
Christsein heißt dann konkret:
das Hoffnungsflimmern niemals loswerden,
den Ankündiger für das Bessere, das noch kommt.

Unser Boot,
in dem wir sitzen,
das uns durch das Lebensmeer trägt
ist Gottes Versprechen. 
Es hält alle Wendepunkte mit uns aus.
Das Segel aber müssen wir 
selber setzen.
Das Segel ist unser Vertrauen.
Ein tiefes Vertrauen,
das singen und sagen kann:
„Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
Der wird auch Wege finden
da dein Fuß gehen kann.“ Amen


Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsre Liebe. Amen.

Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis auf der Cyriaksruine Trotzdem! - Predigt zu Phillipper 2,1-4 Lektor (aus den "Off...